MEXIKO-STADT. Bei einem Militäreinsatz hat die mexikanische Armee den mutmaßlich mächtigsten Drogenboss des Landes, Nemesio Oseguera Cervantes alias „El Mencho“, getötet. In mehreren Bundesstaaten haben Kartellmitglieder mit massiver Gewalt reagiert. Die deutsche Botschaft warnt vor Unruhen und rät Landsleuten, in ihren Unterkünften zu bleiben.
Mexikanische Soldaten einer Sondereinheit erschossen „El Mencho“ am Sonntag bei einem Zugriff in der Gemeinde Tapalpa im westlichen Bundesstaat Jalisco.
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums starb er während des Transports nach Mexiko-Stadt. Die US-Behörden hätten im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit mit Informationen beigetragen. Neben dem 59jährigen Kartellchef kamen sechs weitere Bandenmitglieder ums Leben, zwei wurden festgenommen. Drei Soldaten wurden verletzt. Die Sicherheitskräfte stellten Panzerfahrzeuge, Raketenwerfer und weitere Waffen sicher. Der Einsatz löste eine koordinierte Gewaltwelle des von Oseguera geführten Kartells Jalisco Nueva Generación (CJNG) aus.
Deutsche Mexiko-Touristen sollen in Hotels bleiben
In Jalisco, Michoacán, Aguascalientes, Tamaulipas und Guanajuato errichteten Bandenmitglieder Straßensperren mit brennenden Autos, Lastwagen und Bussen. Geschäfte und Apotheken wurden in Brand gesetzt. In der Touristenstadt Puerto Vallarta stiegen dichte Rauchwolken über den Hotels auf. Auch in Guadalajara, Austragungsort von Spielen der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft, blockierten brennende Fahrzeuge zentrale Verkehrsadern. Der Gouverneur von Jalisco setzte den öffentlichen Nahverkehr aus und sagte den Schulunterricht ab.
Die US-Botschaft gab eine Sicherheitswarnung heraus. Amerikanische Staatsbürger sollten betroffene Regionen meiden und ihre Unterkünfte nicht verlassen. Mehrere Fluggesellschaften, darunter United, Southwest und Air Canada, strichen Verbindungen nach Puerto Vallarta, Guadalajara und Manzanillo. Maschinen kehrten teilweise auf halber Strecke um.
Auch die deutsche Botschaft reagierte umgehend. Auf X teilte sie mit, daß es „in verschiedenen Landesteilen zu Unruhen, Straßensperren und Brandstiftungen“ komme. Wer sich an einem sicheren Ort wie einem Hotel aufhalte, solle dort bleiben und auf nicht erforderliche Fahrten verzichten. „Versuchen Sie bei Straßensperren nicht, sich zu widersetzen oder zu flüchten“, heißt es in der Warnung.

IMAGO / Newscom World
Die US-Regierung hatte das CJNG als ausländische Terrororganisation eingestuft und eine Belohnung von 15 Millionen US-Dollar auf „El Mencho“ ausgesetzt. Das Kartell gilt als eine der brutalsten und international am stärksten vernetzten Drogenorganisationen mit Aktivitäten von Fentanyl-Schmuggel über Waffenhandel bis zur Schleusung von Migranten.
Oseguera war 1966 im Bundesstaat Michoacán geboren worden. In den 1990er Jahren wurde er in Kalifornien wegen Heroinschmuggels verhaftet, später nach Mexiko abgeschoben und arbeitete zeitweise als Polizist. Nach Stationen im Milenio-Kartell gründete er das CJNG, das sich unter seiner Führung zu einer der mächtigsten kriminellen Organisationen des Landes entwickelte. Ihm werden zahlreiche Anschläge auf Sicherheitskräfte, öffentliche Hinrichtungen und die Zwangsrekrutierung junger Menschen vorgeworfen. (rr)






