LYON. Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen sind am Samstagnachmittag in der französischen Metropole Lyon über 3.000 Menschen zu einem Gedenkmarsch für den getöteten 23jährigen Quentin D. zusammengekommen. Der Trauermarsch, der unter dem Leitmotto „Justice pour Quentin“ (Gerechtigkeit für Quentin) stattfand, verlief trotz vorheriger Befürchtungen gewalttätiger Ausschreitungen weitgehend friedlich. Der gewaltsame Tod des Studenten hat Frankreich tief erschüttert und sorgt medial wie politisch für scharfe Kontroversen.
Quentin D., der in der identitären Szene aktiv war, war Mitte Februar Berichten zufolge von 20 militanten Linksextremisten zu Tode geprügelt worden, während er eine Protestaktion der identitären Frauengruppe Nemesis beschützt hatte. Nemesis hatte unter dem Motto „Islamo-Linke raus aus unseren Universitäten“ gegen einen Auftritt der linksextremen Europaabgeordneten Rima Hassan protestiert, die dort zu dem Thema „Komplizenschaft der Europäer mit Israels Kriegsverbrechen“ referierte.
Quentin erlag zwei Tage nach dem Angriff seinen Verletzungen
Er erlag zwei Tage nach dem Angriff seinen schweren Verletzungen. Die Ermittlungen führten schnell ins linksextreme Milieu: Inzwischen wurden sieben Verdächtige wegen (versuchten) Totschlags angeklagt, sechs von ihnen sitzen in Untersuchungshaft, einer ist unter Justizaufsicht. Die Behörden rechnen sie mehrheitlich der verbotenen Gruppierung „Jeune Garde“ zu, die der linken französischen Partei LFI von Jean-Luc Melénchon nahesteht. Drei der Täter waren oder sind mutmaßlich Mitarbeiter des linken LFI-Abgeordneten Raphaël Arnault. Arnault bekundete vergangenes Wochenende den Angehörigen des Opfers sein Bedauern. Er habe mit „Entsetzen und Abscheu“ vom Tod Quentins erfahren. Frankreichs Innenminister verurteilte die Tat scharf und sprach von einem „absolut abscheulichen Lynchmord“.
Der Gedenkmarsch war im Vorfeld heftig umstritten. Lyons grüner Bürgermeister Grégory Doucet hatte ein Verbot gefordert, da er Störungen der öffentlichen Ordnung durch das Aufeinandertreffen des rechten und linken politischen Lagers befürchtete. Das Innenministerium und die Präfektur gaben jedoch grünes Licht, um die Versammlungs- und Meinungsfreiheit zu wahren. Der etwa 1,4 Kilometer lange Zug zum Tatort wurde von einem massiven Aufgebot an Polizisten und Gendarmerie sowie durch Drohnen aus der Luft abgesichert. Zwar versuchten Linke immer wieder, den Marsch zu stören, die Polizei reagierte aber zügig und zog die Störer aus dem Geschehen.
„Antifas sind Mörder“
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wandte sich noch vor Beginn der Demonstration an die Öffentlichkeit, rief zur Ruhe auf und wiederholte, daß in der Republik kein Platz für jegliche „Milizen“ sei. Er kündigte zudem für die kommende Woche eine Kabinettssitzung zum Umgang mit gewaltbereiten politischen Gruppen an.
Auf der Demonstration selbst zeigten sich die Fronten deutlich. Neben Blumenkränzen und Rufen nach Gerechtigkeit wurden Transparente mit Slogans wie „Die extreme Linke tötet“ oder „Antifas Assassins“ (Antifas sind Mörder) mitgeführt. Gegen 18 Uhr löste sich die Menge am Samstagabend geordnet auf. Größere Zusammenstöße mit Gegendemonstranten blieben aus. Lediglich vom Rand des Zuges gab es Berichten zu folge eine Festnahme wegen des Mitführens von Waffen.
Auch in anderen Städten wie der italienischen Hauptstadt Rom hielten Menschen einen Trauermarsch ab. Dort hatte die Jugendorganisation der regierenden Fratelli d’Italia zu dem Marsch aufgerufen und ebenfalls über 3.000 Personen anziehen können. (mp)





