WASHINGTON. US-Präsident Donald Trump hat den „Tag der Befreiung“ ausgerufen und im Weißen Haus umfassende Zollerhöhungen gegen Handelspartner der USA angekündigt. Besonders betroffen ist die Europäische Union, die mit Zöllen von 20 Prozent belegt wird.
Trump präsentierte ein neues System reziproker Zölle, das vorsieht, daß importierte Waren mit denselben Zöllen belegt werden, die auch für US-Produkte im jeweiligen Zielland gelten. Ab dem 5. April wird ein Basiszoll von zehn Prozent auf alle Importe eingeführt, wobei für einzelne Länder wie China (34 Prozent) und die EU (20 Prozent) höhere Sätze gelten. Trump kritisierte die EU scharf: „Sie zocken uns ab. Es ist so traurig, das zu sehen.“
Zusätzlich treten ab dem 9. April höhere Zölle auf Autos, Transporter, Motoren, Lithium-Batterien und weitere Komponenten in Kraft. Besonders betroffen ist erneut Europa, da die USA bereits Strafzölle auf Stahl, Aluminium und chinesische Waren eingeführt haben. Trump begründete die Maßnahmen mit der Notwendigkeit, das Handelsdefizit der USA zu reduzieren und Arbeitsplätze im Inland zu sichern. „Handelsdefizite sind ein nationaler Notfall“, erklärte er.
Deutschland fordert gemeinsame Reaktion auf Trump-Zölle
Wirtschaftsexperten warnen vor negativen Folgen für die Weltwirtschaft. Die Maßnahmen könnten eine Rezession begünstigen und die Lebenshaltungskosten in den USA erheblich steigern. Unternehmen beklagen eine wachsende Unsicherheit, die Investitionen erschwert.
Die Europäische Union setzt zunächst auf Verhandlungen, prüft jedoch gezielte Gegenmaßnahmen, etwa gegen US-Tech-Konzerne. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach von einem „schweren Schlag für die Weltwirtschaft“ und kündigte an, die EU werde ihre Interessen „entschlossen verteidigen“. Auch Deutschland und andere europäische Staaten fordern eine gemeinsame Reaktion.

Großbritannien und Australien halten sich bislang zurück. London plant keine direkten Gegenmaßnahmen, sondern setzt auf diplomatische Lösungen. Australien lehnt Vergeltungszölle ab, während Kanada bereits Gegenmaßnahmen angekündigt hat. Die Schweiz analysiert die Situation und betont ihre Treue zum Freihandel.
China reagierte entschieden und forderte die sofortige Rücknahme der neuen US-Zölle. Zudem wurden Gegenmaßnahmen angekündigt. Auch Brasilien hat ein Gesetz verabschiedet, das der Regierung ermöglicht, mit wirtschaftlichen Gegenmaßnahmen auf unfaire Handelspraktiken zu reagieren. (rr)