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Der Philosoph Peter Boghossian beklagt die Ideologisierung und mangelnde Meinungsfreiheit an der Portland State University (Symbolbild) Foto: picture alliance / ZB | Thomas Eisenhuth
Der Philosoph Peter Boghossian beklagt die Ideologisierung und mangelnde Meinungsfreiheit an der Portland State University (Symbolbild) Foto: picture alliance / ZB | Thomas Eisenhuth

„Fabrik für Mißgunst und Spaltung“
 

USA: Professor beklagt Ideologisierung der Universität

PORTLAND. Der US-amerikanische Philosoph Peter Boghossian hat der Portland State University vorgeworfen, statt Wissen bloß Ideologien zu vermitteln und ein Klima zu schaffen, in dem Studenten sich nicht trauen würden, offen zu sprechen. „Sie hat eine Bastion der freien Forschung in eine Fabrik verwandelt, deren einziger Input Rasse, Geschlecht und Opferrolle waren und deren einziger Output Mißgunst und Spaltung war“, schrieb er in einem Offenen Brief, mit dem er zugleich seinen Rücktritt als Professor mitteilte.

Die Fakultät und die Verwaltung hätten den Auftrag der Universität, nach Wahrheit zu suchen, aufgegeben und förderten stattdessen die Intoleranz gegenüber abweichenden Überzeugungen und Meinungen, beklagte Bohossian weiter. „Während meiner Zeit an der Portland State University habe ich schon früh Anzeichen für den Illiberalismus bemerkt, der die Hochschule inzwischen völlig vereinnahmt hat. Ich habe Studenten erlebt, die sich weigerten, sich mit anderen Standpunkten auseinanderzusetzen“, führte er weiter aus.

Kollegen seien Kritik ausgesetzt gewesen, weil sie ihren Studenten Texte von europäischen Philosophen zugewiesen hatten. Wer nach Beweisen zur Rechtfertigung neuer Maßnahmen der Hochschule gefragt habe, sei der „Mikroaggression“ beschuldigt worden.

Falsche Aufsätze entlarven Ideologie in Wissenschaftsbetrieb

Da ihm während seiner zehnjährigen Arbeit an der Universität immer mehr Zweifel gekommen seien, habe er sich mit den neuen Werten der Hochschule kritisch befaßt. „Je mehr ich das Primärquellenmaterial las, desto mehr vermutete ich, daß die Schlußfolgerungen die Postulate einer Ideologie widerspiegelten und nicht auf Beweisen basierende Erkenntnisse“ basierten.

Boghossian schilderte, auch im Interview mit dieser Zeitung, wie er mit anderen Autoren zur Entlarvung dieser Ideologie absichtlich fehlerhafte und unwissenschaftliche Aufsätze bei renommierten Forschungsmagazinen einreichte. „Im Jahr 2018 war ich Mitverfasser einer Reihe absurder oder moralisch verwerflicher Artikel in Fachzeitschriften, die sich mit Fragen der Rasse und des Geschlechts befaßten. In einem davon argumentierten wir, daß es eine Epidemie von Vergewaltigungen unter Hunden in Hundeparks gibt, und schlugen vor, Männer an die Leine zu nehmen, so wie wir Hunde an die Leine nehmen.“

Einige dieser Texte wurden veröffentlich. Sie sorgten nach Bekanntwerden der Hintergründe für eine Kontroverse über die Arbeitsweise der Fachmagazine und im Wissenschaftsbetrieb.

Studenten fordern Entfernung weißer Philosophen von Lehrplan

Wegen seiner Kritik an den Zuständen im Wissenschaftsbetrieb und dem Meinungsklima an den Universitäten sei er in den folgenden Jahren massiven Anfeindungen ausgesetzt gewesen. Von der Hochschulleitung habe er keine Unterstützung erfahren.

Auch an Hochschulen in Großbritannien herrschen die von Boghossian für Portland geschilderten Zustände. So hatten bereits 2017 Studenten der Londoner School of Oriental and African Studies (SOAS) gefordert, weiße Philosophen weitestgehend aus dem Lehrplan zu entfernen. Dadurch solle der Fokus der Universität auf Asien und Afrika stärker betont werden. (ag)

Der Philosoph Peter Boghossian beklagt die Ideologisierung und mangelnde Meinungsfreiheit an der Portland State University (Symbolbild) Foto: picture alliance / ZB | Thomas Eisenhuth
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