Rassismusvorwürfe gegen weiße Schüler

Ein Haßverbrechen, das keines war

Für die Medien war der Fall klar: Ein weiterer rassistischer Vorfall in Donald Trumps Amerika. Schwarzes Opfer, weiße Täter. Es paßte so gut ins Bild. Aber es war alles gelogen.

Vergangene Woche hatte die 12 Jahre alte Schülerin Amari Allen aus Virginia drei weiße Klassenkameraden beschuldigt, sie zu Boden gedrückt, rassistisch beleidigt und ihre Dreadlocks abgeschnitten zu haben. Sie sei häßlich und habe „krauses Haar“. Das englische Wort „nappy“ hat in diesem Zusammenhang eine klar rassistische Komponente.

Die Polizei deckte die Lüge auf

Außerdem verdiene sie es nicht, zu leben, gab sie ihre angeblichen Peiniger auf dem Kanal WUSA9 wieder. Besonders ergreifend: Allen warb um Verständnis für ihre Angreifer. „Irgendetwas muß passiert sein, das sie dazu gebracht hat. Ich weiß, daß das bei Mobbing eine häufige Ursache ist“, gab sie zu Protokoll.

Vor den Kameras der TV-Stationen durfte nicht nur Amari Allen wortreich über den vermeintlichen Rassismusvorfall an der christlichen Privatschule berichten, an der die Frau von Vizepräsident Mike Pence, Karen, unterrichtet. Auch die Großmutter, Cynthia Allen, fand gegenüber CNN klare Worte: „Sie wurde angegriffen, weil sie anders ist.“ Sie könne nicht glauben, daß solche Dinge auch heute in Amerika noch vorkämen. Die linke Kongreßabgeordnete Rashida Tlaib, die in der Vergangenheit für ihre antiisraelischen Ausfälle und Beschimpfungen an die Adresse Trumps auffiel, solidarisierte sich mit Allen. „Du hast eine Macht, die sie bedroht“, schrieb Tlaib auf Twitter, in der festen Überzeugung, daß ihre Anhänger schon genau wissen, wer mit „sie“ gemeint ist. „Bleib stark“, ermutigte sie Allen.

Daß die Lüge herauskam, ist vor allem den polizeilichen Ermittlungen zu verdanken. Nun veröffentlichten die Eltern Allens ein Entschuldigungsschreiben an die drei Jungen gerichtet. „Wir entschuldigen uns aufrichtig für den Schmerz und die Angst, die diese Anschuldigungen verursacht haben“, heißt es in der Stellungnahme, aus der die Daily Mail zitiert. Man verstehe, daß nun Konsequenzen folgen würden, hoffe aber dennoch auf die Vergebung der Jungen, deren Familien, der Schule und der lokalen Gemeinde.

NACCP vollzieht geordneten Rückzug

Die selbsternannte schwarze Bürgerrechtsorganisation NACCP, die in dem Fall ein gefundenes Fressen sah, mußte ebenfalls zurückrudern. Und tat dies auf ihre ganz eigene Art. „Bedauerlicherweise stellte sich der berichtete Übergriff in diesem Fall als falsch heraus“, hieß es in einem Statement. Solche „erfundenen Haßverbrechen“ seien jedoch selten, beeilte sich die NACCP zu betonen. Sie dürften nicht den Blick von den Tausenden realen „Hate Crimes“ ablenken, die täglich in den USA passierten.

Doch das Problem erfundener Haßverbrechen – in der Regel treten dabei Afroamerikaner als Ankläger auf – ist keineswegs so selten wie die NACCP Glauben machen will. Der Fernsehsender Fox News dokumentierte Anfang des Jahres erfundene Haßverbrechen, die regional oder national in den USA ein breites Medienecho auslösten. Daraus eine Auswahl:

Im Februar sorgten die Rassismusvorwürfe des Schauspielers Jussie Smollett gegen zwei angebliche Trump-Anhänger für Schlagzeilen. Auch diese Anschuldigungen waren frei erfunden. Im Januar bekannte sich die 19 Jahre alte Kissie Ram schuldig, eine rassistische Notiz in ihrer Studentenunterkunft an der Drake University in Des Moines, Iowa, erfunden zu haben.

Halloween-Scherz gerät außer Kontrolle

Im September 2018 beschuldigte die 19 Jahre alte Afroamerikanerin Adwoa Lewis aus Baldwin, New York, vier Jugendliche, sie rassistisch beleidigt zu haben. Die Teenager hätten sie angehalten und zu ihr gesagt, sie gehöre hier nicht her. Außerdem hätten sie „Trump 2016“ gerufen. Die Polizei fand heraus, daß auch diese Vorwürfe erlogen waren.

Im Oktober 2017 berichtete der Afroamerikaner Dauntarius Williams aus Kansas von rassistischen Schmähungen auf seinem Auto. Unter anderem sei dort zu lesen gewesen: „Geh nach Hause“, „Stirb“, und „Paare dich mit deiner eigenen Art“. Später gab der 21jährige zu, die rassistischen Sprüche als Halloween-Scherz selbst auf sein Auto gesprüht zu haben. Der Spaß sei dann außer Kontrolle geraten.

Unmittelbar nach der Wahl Trumps sorgte im Dezember 2016 der Fall der 18 Jahre alten Moslemin Yasmin Seweid aus New York für Aufregung. Sie sei in der U-Bahn der Millionenmetropole von einem Mann, der sich als Trump-Sympathisant ausgab, eine Terroristin genannt worden. Ein weiterer Mann soll versucht haben, ihr den Hidschab vom Kopf zu reißen. Zwei Wochen später gab Seweid bei der Polizei zu, gelogen zu haben.

Vermeintliches Rassismusopfer Amari Allen im US-Fernsehen Screenshot: CBS

Unterstützung

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen

All articles loaded
No more articles to load

aktuelles

All articles loaded
No more articles to load