Niederlande

Nach Selbsttötung: Wurde Islamkritikerin entführt und vergewaltigt?

Verwirrung, Trauer und Unruhe in der holländischen Politik. Am vergangenen Donnerstag wurde bekannt, daß das PVV-Ratsmitglied Wilhelmina (Willie) Dille sich am Mittwoch im Alter von 53 Jahren selbst getötet hatte. Ihr Tod folgte einem Video-Eintrag, den sie zwei Tage zuvor, am 6. August, auf Facebook veröffentlicht hatte. Darin erzählt sie sichtlich emotional und erschöpft, daß sie im März 2017 von einer Gruppe Moslems entführt, vergewaltigt und mißhandelt worden sei. Das Ratsmitglied der islamischen Partei der Einheit, Arnoud van Doorn, hätte dies angeordnet, behauptete sie. Doorn ist Konvertit und war früher PVV-Mitglied.

Dille war als leidenschaftliche Politikerin bekannt, die „sicher nicht krank oder verwirrt“ war, wie ihr Mann Caspar Reedijk sowie ein Freund auf Medienanfragen erzählten. Auf die Frage, warum Dille ihre schweren Vorwürfe so lange für sich behielt, antwortete Reedijk: „So war sie, sie wollte anderen ihre Probleme nicht aufbürden.“

Nach ihrer Entführung und Mißhandlung sei ihr der Tod angedroht worden. „Sie wollen mir den Hals durchschneiden“, sagt Dille im Video. Die Politikerin war im Haager Stadtrat für ihre starke Kritik am Islam bekannt. 2016 soll sie gesagt haben, daß „eine Atombombe auf Muslime geworfen werden sollte“. Sie bestreitet dies allerdings.

Die Partei der Einheit distanzierte sich von Dilles Aussagen und kündigte rechtliche Schritte an. Andere Parteien im Haager Stadtrat, die konservative CDA und die sozialdemokratische PvdA, haben am Freitag angekündigt, Dilles Video, die Rolle der Bürgermeisterin Pauline Krikke, und alle beteiligte Gremien untersuchen zu wollen. Krikke erklärte nach Dilles Tod in einem Interview mit der Zeitung Algemeen Dagblad, sie sei„informiert“ gewesen. Sie hätte Dille geraten, Anklage gegen die mutmaßlichen Täter zu erheben. Warum Dille das nie getan hat, wisse Krikke nicht.

Die CDA will nun zudem herausfinden, ob die Bürgermeisterin Dille Schutz angeboten hatte.  Die CDA gab zudem zu bedenken, daß „nur PVV-Leute ernsthafte Drohungen und Einschüchterungen ertragen müssen“.

„Ich glaube nicht, daß du eine solche Geschichte erfindest“

„Geert Wilders steht nicht umsonst unter Personenschutz. Ich weiß, daß PVV-Leute eine Menge Scheiße und Elend auf sich nehmen müssen“, sagte CDA-Ratsmitglied Daniëlle Koster. „Sind nach dem Bericht über die Vergewaltigung alle Aspekte ausreichend berücksichtigt worden?“ fragte er. Er habe keinen Grund, an Willies Aussage zu zweifeln. „Ich glaube nicht, daß du eine solche Geschichte erfindest.“

Dilles letzte Aussage, in der sie sich bei ihrer Familie entschuldigt und sagt, „das Geschehen nicht meistern zu können, aber die Wahrheit herausbringen zu wollen“, wurde von Facebook entfernt.

Bürgermeister, Polizei und Staatsanwaltschaft haben entschieden, den mutmaßlichen Entführungs-, Vergewaltigungs- und Mißhandlungsfall nicht weiter zu untersuchen. Bislang.

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Leiden Sie an Depression und tragen sich mit dem Gedanken der Selbsttötung? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber und suchen Sie sich Hilfe. Zum Beispiel bei der deutschen Depressionshilfe oder der Telefonseelsorge.

Rathaus in Den Haag / Willie Dille Foto: picture alliance / Twitter-Screenshot

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