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Türkischer Panzer in Syrien: Ziel ist eine 30km breite Sicherheitszone Foto: picture alliance / Photoshot

„Operation Olivenzweig“
 

Militäroffensive: Türkei will „keinen Schritt zurückweichen“

ISTANBUL. Trotz internationaler Kritik hat die Türkei angekündigt, ihre Offensive gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) fortzuführen. „Wir werden keinen Schritt zurückweichen“, sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan am Montag laut der Nachrichtenagentur dpa. Das Vorgehen in der syrischen Grenzregion Afrin sei mit Rußland abgesprochen. Mit den Vereinigten Staaten habe seine Regierung ebenfalls Gespräche geführt, sie jedoch „bei einigen Fragen nicht überzeugen“ können.

Auch am dritten Tag der Militäroffensive nahm die türkische Artillerie kurdische Stellungen unter Beschuß, meldete die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Dabei seien in der Nacht zu Montag auch zwei YPG-Stellungen zerstört worden, aus denen zuvor Raketen auf die türkische Grenzstadt Reyhanli abgeschossen worden seien. Bei dem Raketenbeschuß kam der türkischen Armee zufolge ein Mensch ums Leben, 46 weitere wurden verletzt.

„Operation Olivenzweig“ begann am Samstag

Am Samstag war das türkische Militär mit Bodentruppen in die nordsyrische Provinz Afrin eingerückt, um die mit den USA verbündete Kurdenmiliz YPG zu vertreiben. Ziel der „Operation Olivenzweig“ ist nach den Worten von Ministerpräsident Binali Yildirim (AKP) die Einrichtung einer 30 Kilometer breiten Sicherheitszone. Seine Regierung betrachtet die Miliz als syrischen Zweig der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und damit als Terrororganisation.

Grenzgebiet Syrien und Türkei: Kontrollierte Gebiete der Kurden Foto: picture alliance/KEYSTONE

Die YPG ist aber zugleich ein wichtiger Verbündeter der USA im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS). Laut der Nachrichtenagentur dpa soll sich der UN-Sicherheitsrat am Montag in einer von Frankreich beantragten Dringlichkeitssitzung mit der türkischen Militäraktion in Syrien befassen.

Dem widersprach der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu (AKP). Es werde lediglich um die Offensive der syrischen Regierungstruppen in der Provinz Idlib und die Belagerung der Rebellenhochburg Ost-Ghuta gehen, nicht aber um Afrin, versicherte er.

Türkei setzt deutsche Panzer gegen Kurden ein

Zuvor hatten sich mehrere europäische Länder bei einem Treffen der EU-Außenminister beunruhigt über die türkische Militäroffensive gezeigt. „Wir sehen das mit großer Sorge“, sagte der deutsche Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth (SPD). „Wir können hier keine Eskalation gebrauchen.“

Gleichzeitig häufen sich die Berichte über den Einsatz von deutschen Panzern durch die türkischen Streitkräfte. Entsprechende Fotos wurden unter anderem von der Nachrichtenagentur Anadolu verbreitet.

Ein Rüstungsexperte der Bundeswehr bestätigte die Echtheit der Bilder. Es handele sich um Panzer vom Typ „Leopard 2 A4“ aus deutscher Produktion. Diese hätte die Türkei bereits im Kampf gegen den IS verwendet. Das Auswärtige Amt hingegen konnte keinen Einsatz bestätigen. Das gebe der bisherige Lagebericht nicht her, hieß es von Seiten des Ministeriums.

Rußland fordert Friedensgespräche mit der YPG

Unterdessen kündigte Rußland an, auch Vertreter der Kurden zu den Friedensgesprächen in Sotschi Ende Januar einzuladen. Die Rolle der Kurden im Friedensprozeß müsse garantiert sein, mahnte der russische Außenminister Sergej Lawrow.

Der „Kongreß des nationalen Dialogs“ wird gemeinsam von Rußland, der Türkei und dem Iran organisiert. Die Türkei lehnt eine Einladung der YPG bislang ab. (ha)

Türkischer Panzer in Syrien: Ziel ist eine 30km breite Sicherheitszone Foto: picture alliance / Photoshot
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