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Ägypten
 

Militär stürzt Präsident Mursi

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Demonstranten feiern auf dem Tahrir-Platz das Ende der Herrschaft der Muslimbrüder Foto: picture alliance/dpa

KAIRO. Das ägyptische Militär hat Staatspräident Mohamed Mursi abgesetzt und eine Übergangsregierung installiert. „Die Streitkräfte konnten ihre Ohren und ihre Augen nicht verschließen, als die Bewegung und Forderungen der Massen sie riefen, eine nationale Rolle zu spielen“, sagte Militärchef Abel Fattah al-Sissi in seiner Rede.

Hunderttausende Ägypter, die auf dem Tahrir-Platz in Kairo seit Sonntag gegen die Regierung der Muslimbruderschaft demonstriert hatten, quittierten die Ankündigung al-Sissis mit frenetischem Jubel.

Gleichzeitig wurde Mursi unter Hausarrest gestellt und ebenso wie andere Vertreter der Muslimbruderschaft mit einem Reiseverbot belegt. Ägyptische Flaggen schwenkend riefen die Demonstranten „Freiheit, Freiheit“, und „Erhebt euer Haupt, ihr seid Ägypter“.

Die Militärführung nahm den Fernsehsender „Misr 25“ der Muslimbruderschaft vom Netz und zwang den in ein Militärgebäude gebrachten Ex-Präsidenten so über facebook mit seinen Anhängern zu kommunizieren.  Mursi hatte zuvor einen Rücktritt abgelehnt. Gegen mehr als 300 hochrangige Funktionäre der Muslimbruderschaft wurde Haftbefehl erlassen. Mursi war erst im Juni 2012 zum Präsidenten gewählt worden. Säkulare Politiker beschuldigten die Muslimbrüder damals der Wahlmanipulation. So sollen in manchen christlichen Vierteln mehr als 90 Prozent für Mursi votiert haben.

Mansour wird Übergangspräsident

In seiner Rede kündigte al-Sissi zudem die Aussetzung der unter Mursi beschlossenen Verfassung an, die vor allem von Liberalen und koptischen Christen als einseitig islamistisch kritisiert worden war. Bis zur Abhaltung von Präsidentschafts- und Parlamentswahlen wird der Präsident des Verfassunsgerichts, Adly Mansour, als Übergangspräsident fungieren. Nach Berichten ägyptischer Medien kann diese Übergangsphase zwischen neun und zwölf Monate dauern.

In der Nacht lieferten sich Pro-Mursi Demonstranten wieder vereinzelte Auseinandersetzungen mit Anhängern der sogenannten Tamarod- Protestbewegung. In der nordägyptischen Stadt Marsa Matrouh, einer Hochburg der Muslimbrüder, kam es zu Zusammenstößen zwischen Islamisten mit der Armee. Dabei wurden ebenso wie bei den Auseinandersetzungen in Kairo mehrere Menschen getötet. (tb)

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