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Geschichtspolitik
 

Duma-Chef gegen Aufarbeitung der Sowjet-Vergangenheit

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Sergej Naryschkin (rechts) mit Ministerpräsident Dimitri Medwedew im Mai bei einer Parade zum Jahrestag der deutschen Kapitualtion Foto: Imago

MOSKAU. Der Chef der russischen Staatsduma, Sergej Naryschkin, hat sich gegen eine kritische Aufarbeitung der Sowjetzeit nach deutschem Vorbild ausgesprochen. Rußland habe keinen Grund, seine Geschichte zu bereuen, sagte der Vorsitzende des russischen Parlamentsunterhauses gegenüber der Nachrichtenagentur Ria Novosti.

Die Politik der UdSSR sei zwar „keineswegs musterhaft“ gewesen, jedoch habe die Sowjetunion nie Nationen in Sorten eingeteilt und nicht die Vernichtung ganzer Völker angestrebt, unterstrich Naryschkin.

Bundespräsident Joachim Gauck hatte Rußland vor kurzem bei einem Treffen mit russischen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens dazu aufgerufen, bei der Aufarbeitung der Sowjet-Vergangenheit dem Beispiel Deutschlands bei seiner Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zu folgen.

Ehrendes Andenken den Siegern über den Nationalsozialismus

Dies lehnte Naryschkin jedoch ab: Der deutsche Präsident kenne die Geschichte seines Landes gut, aber er brauche auch zusätzliche und unvoreingenommene Informationen über die russische Geschichte und Gegenwart. 

„Die Sowjetunion und deren Außen- und Innenpolitik waren keineswegs vorbildhaft. Das ist allerdings auch bei jedem anderen Land der Fall“, gab der Staatsduma-Chef zu bedenken.

Der Sieg im Zweiten Weltkrieg, zu dem die Sowjetunion den größten Beitrag geleistet habe, sei der Ausgangspunkt für die Aufarbeitung des Nationalsozialismus gewesen. Daher müsse man auch das Andenken derjenigen bewahren, die diesen Sieg erkämpft hätten. „Unser Land hat für diesen Sieg einen sehr hohen Preis gezahlt“, betonte Naryschkin. (krk)

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