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Arabische Revolution
 

Libysches Bürgerkriegstagebuch X

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Die Ankara, ein türkisches Lazarettschiff, läuft den Hafen von Bengasi an
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An Bord befindet sich türkisches Militär
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Nicht ansprechbar, mit den Nerven am Ende: Bombenopfer aus Misrata

BENGASI. Die schweren Kämpfe um Misrata fordern immer neue Opfer. Etwa 250 Schwerverletzte wurden auf dem türkischen Lazarettschiff Ankara evakuiert, das auch türkische Soldaten an Bord hatte. Das Schiff wurde eskortiert von türkischen Luft- und Seestreitkräften. Die heikle Mission der Ankara war auch eine klare Drohgebärde gegen Gaddafi. Unser Report Billy Six war beim Zwischenstopp der Ankara in Bengasi dabei. Hier ist sein Bericht:

03.04.2011 Bengasi, Hafen

Es ist ein emotionaler Moment. Nur einige Dutzend Libyer sind in den Hafen gelassen worden, um das türkische Lazarettschiff „Ankara“ willkommen zu heißen. Mit Flaggen und Rufen empfangen sie ihre verletzten Landsleute aus Misrata. Zwischen 200 und 300 Verletzte konnten aus dem dortigen Krankenhaus evakuiert werden, das nach Angaben von Ärzten und Verletzten von Regierungstruppen angegriffen worden ist. Vor allem herrschte die Angst vor der Ermordung der Patienten, sollten die Truppen die Stadt übernehmen.

Die Verletzten sind fast ausschließlich Männer, allesamt Revolutionäre. Einige von ihnen haben jedoch seit dem 19. Februar gekämpft, als der Aufstand in Misrata ausgebrochen ist. Andere wurden schwer verletzt, als Raketen ihre Häuser trafen. Die meisten haben schwere Verletzungen an Beinen und Armen. Andere haben keine Nasen, Augen oder Gliedmaßen mehr. Die Menschen beschreiben die Lage als dramatisch – ohne Strom und fließend Wasser. Nahrung und Arzneimittel neigten sich dem Ende zu.

Sie berichten weiter: Die Scharfschützen der libyschen Armee seien im Stadtzentrum in hohen Gebäuden positioniert und würden auf alles schießen, was sich bewegt. Neben Menschen seien selbst Hunde, Katzen und Kühe erschossen worden. Gaddafis Panzer stünden entlang der Tripolis-Bengasi-Hauptstraße, scheuten sich aber, in die engen Straßen einzudringen. Stattdessen würde wahllos in die rebellischen Viertel geschossen.

Auch türkische Diplomaten und Militärs sind im Hafen von Bengasi. Sie sind froh über den glücklichen Ausgang der Evakuierung. Drei Tage haben sie vor der Küste warten müssen, bis der Beschuß der Hafens endete. Einige Dutzend Verletzte aus Bengasi werden nun während des vierstündigen Zwischenstopps geladen.

Die Verletzten sagen, daß sie glücklich seien, endlich wieder schlafen zu können. Dies sei in den letzten sechs Wochen angesichts des permanenten Bombardements nur sporadisch möglich gewesen. Alle wollen sie zurück – der Familien wegen. Ihre Überzeugung: „Sollte Gaddafi gewinnen, würde er niemanden am Leben lassen.“

> Libysches Bürgerkriegstagebuch IX

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