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Polen
 

Deutscher Neubeginn in Schlesien

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Das Rathaus in Oppeln Foto: Wikipedia/Bartek Wawraszko

OPPELN. Der Verband der deutschen Minderheit im heutigen Polen hat einen Generationswechsel vollzogen und positioniert sich neu. Bernard Gaida tritt die Nachfolge des langjährigen Vorsitzenden Heinrich Kroll an. Der neue Vorsitzende der Dachorganisation „Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaft“ (VdG) kündigte am Montag im oberschlesischen Oppeln (Opole) einen Neuanfang an.

17 Delegierte der Minderheit aus ganz Polen – Heinrich Kroll war als Delegierter nicht mehr aufgestellt worden – wählten den Vorstand neu. Ihm gehören nun der einzige deutsche Sejm-Abgeordnete Richard Galla, der Vorsitzende der Oppelner Regionalorganisation Norbert Rasch, der stellvertretende Minderheits-Vorsitzende im Oppelner Schlesien, Bernard Gaida, und weitere an. Gaida wurde zum Vorsitzenden gewählt. Heinrich Kroll (60) und das frühere Vorstandsmitglied Bruno Kosak (72) gehören dem VdG indes nicht mehr an.

Kultur statt Politik

Gaida unterstrich, er werde sich angesichts der geschwundenen Sprachkenntnisse der heimatverbliebenen deutschen Schlesier vor allem um die „deutsche Identität der Minderheit“ kümmern. Bildung, Sprache und basisorientierte Kulturarbeit sollten Schwerpunkte seiner Arbeit bilden. Auch der Kontakt zur polnischen Mehrheitsgesellschaft solle vertieft werden. Gaida war bis dato Vorsitzender des Ausschusses für Identitätspflege und Jugend bei der Sozial-Kulturellen Gesellschaft im Oppelner Schlesien (SKGD).

Ganz offenbar wird mit der Verjüngung an der Spitze die Strategiewende der deutschen Minderheit fortgesetzt, die eingeschlafene Basisarbeit wieder aufzunehmen. Den Startschuß für eine Roßkur gab im April letzten Jahres die Wahl des Germanisten Norbert Rasch zum Chef der SKGD. Die SKGD ist die wichtigste und zugleich mitgliederstärkste Organisation der deutschen Minderheit in den ehemaligen deutschen Ostgebieten.

Rasch ist jung, spricht fließend Deutsch und gilt als dynamisch („Die Minderheit ist mein Leben“). Sein Programm solle „Kultur statt Politik“ umsetzen und der Minderheit wieder ein Bewußtsein eigener Kraft und Identität geben. Die Arbeit Krolls – er vertrat die deutsche Minderheit seit 1991 im Warschauer Sejm – war zuletzt immer mehr als unflexibel und nicht sachdienlich empfunden worden.

Bildung und Identität

Nach seiner Wahl sagte Gaida, „erster Deutscher in Polen zu sein, ist vor allem eine riesengroße Verpflichtung“. Er wolle die rechtlichen Möglichkeiten der Minderheit unbedingt mit Leben erfüllen. Es sei längst nicht alles erreicht: „Der Buchstaben des Gesetzes ist in Ordnung, aber am Geist hapert es manchmal“ – eine diplomatisch vorgebrachte Anspielung auf die ungeheuren Schwierigkeiten bei der Vorbereitung von deutschen Schulgründungen.

Die Prioritäten der deutschen Volksgruppe seien nach wie vor Bildung und Identität. „Wir wollen diese fördern sowohl dort, wo große Gruppen der Minderheit leben, als auch dort, wo sie nicht zahlreich sind und verstreut leben.“

Norbert Rasch äußerte die Hoffnung, unter der neuen Führung werde der VdG stärker sein. Er solle „eine Organisation sein, die authentisch dabei hilft, die Probleme der Deutschen in Polen zu lösen“. (ru)

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