Der Botschafter der Republik Polen in Deutschland, Andrzej Przylebski: Manipulative Berichterstattung beklagt Foto: Fabian Sommer/dpa
Corona-Hilfen

Polnischer Botschafter widerspricht deutschen Medienberichten

BERLIN. Der Botschafter der Republik Polen in Berlin, Andrzej Przylebski, hat sich zur vermeintlichen Ablehnung von aus Deutschland angebotenen Hilfen zur Bewältigung der Corona-Pandemie geäußert und die Medienberichterstattung darüber kritisiert. Gegenüber der JUNGEN FREIHEIT beklagte er, daß Polen für seine Entscheidung in deutschen Medien angegriffen werde. „Wenig überraschend“ handele es sich dabei um Zeitungen des Axel-Springer-Verlags, die mit Kritik an Polen nicht hinter dem Berg hielten.

„Tatsache ist, daß Polen flächendeckend eine ausreichende Kapazität an medizinischen Geräten hat, um die Bevölkerung versorgen zu können“, sagte Przylebski der JF. Eine „Knappheit an medizinischen Ressourcen“, wie sie beispielsweise von der Welt berichtet worden war, werde weder aktuell gemeldet noch sei diese demnächst zu erwarten.

Darüber hinaus habe Polen die angebotene Hilfe keineswegs abgelehnt: „Ganz im Gegenteil, in einigen Fällen hatten Vertreter polnischer Krankenhäuser oder regionaler Behörden befreundete deutsche Kliniken und Bundesländer schon längst um Hilfe gebeten.“ Zu einer Lösung sei man noch nicht gekommen, doch Gespräche würden „dauernd geführt“.

„Polen investiert Unmengen an Geld in die Ärzteausbildung“

Wie die zum Axel-Springer-Verlagsimperium gehörende Bild-Zeitung Mitte des Monats berichtete, habe Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) seinem polnischen Amtskollegen Andrzej Duda in einem Brief Hilfe angeboten: „Dort, wo unsere medizinischen Kapazitäten national an ihre Grenzen stoßen, sollten wir uns so weit wie möglich gegenseitig helfen. Bitte laß mich wissen, wenn es Dinge gibt, die wir für Polen in der aktuellen Lage tun können.“ Duda habe abschlägig geantwortet. „Falls erforderlich“ werde er auf das Angebot zurückkommen und in diesem Fall „eng mit Deutschland zusammenarbeiten“, zitierte die Bild aus dem Briefwechsel.

Das Blatt hatte Forderungen aus der polnischen Regierungskoalition wiedergegeben, polnische Ärzte, die in Deutschland ihrem Beruf nachgingen, zur Arbeit zurück nach Polen zu schicken und ihnen während dieser Zeit deutsches Urlaubsgeld zu zahlen. In diesem Zusammenhang behauptete die Bild einen „Eklat in den deutsch-polnischen Beziehungen“.

Aus deutscher Sicht könnten jene „polnischen Stimmen, die nach Rückkehr polnischer Ärzte riefen“, kontrovers erscheinen, so Botschafter Przylebski. „Man sollte dabei jedoch beachten, daß die polnische Gesellschaft Unmengen an Geld in die Ausbildung von Ärzten investiert, die nach ihrer Ausbildung die Heimat verlassen, was einen immensen Verlust von Personalkräften für das polnische Gesundheitswesen bedeutet. In Zeiten einer Pandemie hat das besonders schwere Folgen.“

„Austausch und Hilfsbereitschaft fördern“

Die „manipulative Berichterstattung“, die momentan in vielen deutschen Medien betrieben werde, „richtet immensen Schaden an“. Der polnische Botschafter appellierte in der JUNGEN FREIHEIT an die deutschen Medien, von solchen Praktiken abzusehen. Vielmehr sei es wünschenswert, den „Austausch und die Hilfebereitschaft vieler deutscher und polnischer Bürger zu fördern, um diese schwierige Zeit gemeinsam bewältigen zu können“.

Für „arglistige Dreistigkeiten“ gebe es hingegen absolut keinen Platz. „Sollten sich die deutsch-polnischen Beziehungen in einer so unheilvollen Situation verschlechtern, so haben das einige Medien zu verantworten“, mahnte Botschafter Przylebski. (ru)

Der Botschafter der Republik Polen in Deutschland, Andrzej Przylebski: Manipulative Berichterstattung beklagt Foto: Fabian Sommer/dpa

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