Willi Weise will es wissen

Der Bundestagskandidat heißt Willi Weise. Er ist noch nicht einmal volljährig. Dennoch kandidiert er bereits für das deutsche Parlament. Und das auch noch in allen 299 Wahlkreisen zugleich. Das geht. „Denn Willi steht für den Willen und Weise für die Weisheit“, sagt Friedrich Schönbeck, Vorsitzender des Kuratoriums „Neue Demokratie“.

Willi Weise, das ist eine imaginäre Person. Keine Partei. Vielmehr steht der Name für jeden einzelnen Direktkandidaten der Organisation. Die Idee: Willi Weise ist bei der kommenden Bundestagswahl nur über die Erststimme wählbar. Und natürlich nicht als Willi Weise, sondern jeder Kandidat mit seinem eigenen Namen. Denn jeder von ihnen ist als Direktkandidat für den Bundestag Einzelkämpfer. Die kühne Vision der „Weisen“: Sie wollen in allen Bundestagswahlkreisen das Direktmandat erringen. „Dann wären die Etablierten im Parlament nur noch Splitterparteien“, meint einer der Bundestagskandidaten.

Rund 60 von ihnen waren Anfang Juli zusammengekommen, um sich auf die Wahl am 27. September vorzubereiten. Kandidatenfotos werden gemacht, ein Film über das Willi-Weise-Projekt gezeigt. Ihre Initiatoren setzen vor allem auf die Nichtwähler. Schließlich sei das mittlerweile die stärkste Kraft in der politischen Landschaft, überflügele sogar die großen Parteien. Ins Leben gerufen wurde Willi Weise vom Kuratorium „Neue Demokratie“. Dessen Vorsitzender Friedrich Schönbeck will mit dem Projekt „das goldene Zeitalter“ einläuten, wie er sagt. Sind sie also die politische Kraft des zukünftigen Deutschlands, sozusagen die „Weisen“ aus dem Morgenland? Und: Glauben sie tatsächlich, den etablierten Abgeordneten ihre Wahlkreise abjagen zu können?

Zumindest die „Weisen“ haben daran keinen Zweifel. Es ist mehr als Zweckoptimismus. Sie sind von ihrer Idee überzeugt, glauben fest daran, einen Wandel in der politischen Landschaft herbeiführen zu können, wie Friedrich Schönbeck sagt.

„Spätestens nach der übernächsten Wahl kommt keiner mehr an uns vorbei“, meint etwa Jürgen van Raemdonck aus Mecklenburg-Vorpommern. Der 56jährige ist ungelernter Landwirt, wie er sich selbst bezeichnet und möchte als Einzelkandidat für den Bundestag kandidieren. Dafür benötigt er zunächst 200 Unterschriften. Wenn er dann seinen Wahlkreis gewonnen hat, möchte er sein Abgeordnetenbüro in einem Wohnmobil einrichten. Um so immer vor Ort, nah an den Bürgern sein zu können.

Ein anderer „Weiser“ ist Horst Dauter. Der 66 Jahre alte Optiker will Persönlichkeit statt Partei, einen Friedensvertrag für Deutschland und den Lobbyismus unter Strafe stellen. „Dafür muß es mindestens fünf Jahre Knast geben“, meint er.

Der politische Forderungskatalog der „Weisen“: Mehr Selbstbestimmung durch staatlich finanzierte Volksentscheide und Bürgergutachten, ein Grundeinkommen für alle, finanziert durch die Besteuerung des Konsums statt Besteuerung der Arbeit. Zudem fordern sie die sofortige Entschuldung von Staat, Wirtschaft und Privathaushalten. Dies solle durch die Einführung eines sogenannten Realgeldes erfolgen, das parallel zum Euro geschaffen werde.  

Weitere Informationen im Internet unter www.williweise.de  

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