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Gefährlich, brutal, skrupellos

Wenn der Begriff Mafia fällt, dann denkt der deutsche Durchschnittsbürger gerne an hierarchisch organisierte Familienbünde aus Süditalien und an von denen finanzierte Pizzerien, Eisdielen und die dazugehörige Schutzgelderpressung. Mit diesem Vorurteil räumten in jüngster Zeit bereits Experten wie Misha Glenny in seinem Buch „McMafia – Die grenzenlose Welt des organisierten Verbrechens“ (JF 46/08) auf. Das Fazit des britischen Bestseller-Autors: „Die Mafia, das ist ganz und gar nicht nur eine italienische Spielart.“ Diese These wurde mit Fakten der Sicherheitsbehörden belegt, die um den Jahreswechsel Alarm schlugen. Wie die Deutsche Presseagentur berichtete, seien allein in der Bundeshauptstadt Berlin zehn Gruppen der russischen Mafia aktiv. Diese würden von Litauern, Russen, Ukrainern und Aserbaidschanern dominiert. Die Gruppen seien nahezu in allen Kriminalitätsbereichen tätig. Dazu zählten Kontobetrügereien, Paß- und Geldfälschungen sowie Drogenhandel. Ihr Schwerpunkt liege allerdings auf der Autoschieberei. Soweit die Bilanz für das Jahr 2007. Die Auswertungen für das Jahr 2008 laufen noch, aber für Experten steht bereits fest, daß dieser Trend anhalten wird. Der Buchautor Jürgen Roth bezeichnet die Banden aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion als „die gefährlichsten, brutalsten und skrupellosesten Gruppen“, die unter dem Begriff Mafia bekannt sind. Dieses Wort war ursprünglich ein Begriff für einen straff organisierten Geheimbund, der im 19. Jahrhundert in Italien seine Wurzel hatte und durch Einwanderung auch in den USA Fuß faßte. Das südeuropäische Ursprungsland ist bis heute in einigen Gebieten in den Klauen der Syndikate, auch wenn die italienische Regierung um Silvio Berlusconi nicht müde wird, die Erfolge bei der Verbrecherjagd zu betonen. Daß die Mafia weiterhin gegenwärtig ist, beweisen die Ereignisse in Neapel, wo in den vergangenen vier Jahren aufgrund von Rivalitäten einzelner Familien mehr als 350 Menschen – meist auf offener Straße – regelrecht hingerichtet worden sind. Lange Zeit wurde der Fehler gemacht, die Mafia rein als italienisches Problem zu sehen, wobei schon jahrelang bekannt war, daß nicht nur in italienischen, sondern auch in vielen chinesischen Restaurants Schutzgelderpressungen an der Tagesordnung waren. Öffentliche Aufmerksamkeit erregte das Thema letztmals im August 2007, als in Duisburg vor einem italienischen Restaurant sechs Kalabresen erschossen wurden und anschließend bekanntwurde, daß der Feinschmeckerladen, bei dem auch die örtliche Prominenz ein- und ausging, ein Zentrum der kalabresischen Mafia (’Ndrangheta) war. Nach den Tätern wird bis heute gefahndet, aber die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, daß die Mörder zuvor in Deutschland „geparkt“ wurden. Spätestens seit der Öffnung der inner­europäischen Grenzen feiert die organisierte Kriminalität fröhliche Urständ, die lästigen Pflichten wie Einreiseanträge sind entfallen. Das System ist einfach, und es funktioniert. Denjenigen, denen der Boden in Italien zu heiß wurde – sei es aus Gründen der staatlichen Strafverfolgung oder der Rache anderer Clans –, tauchten einige Zeit in Deutschland unter und arbeiten ganz legal und unauffällig als Pizzabäcker oder Kellner, bis die Zeit für neue Einsätze reif war. Sobald sie in Deutschland Straftaten begangen hatten und eine Enttarnung drohte, wurden sie nach Italien zurückgeschickt. Die italienischen Behörden, oftmals von der Bundesrepublik um Amtshilfe gebeten, stoßen in den süd­italienischen Dörfern meist auf eine eiserne Mauer des Schweigens. Zudem dürfte nach wie vor ein guter Teil der chronisch schlecht bezahlten italienischen Polizisten auf der Lohnliste der Mafia stehen.  Francesco Forgione, Chef der Anti-Mafia-Kommission, stellte der Bundesrepublik nach den Duisburger Morden kein gutes Zeugnis aus. „Wir dürfen nicht vergessen, daß zum Beispiel Duisburg und Düsseldorf nicht sehr weit weg von Frankfurt liegen, einer der größten Börsen der Welt. Das ist kein Zufall.  Die Mafia-Organisationen sind echte Holdings geworden, die mit riesigen Summen agieren.“ Gleiches trifft auch für die russischen Verbrechersyndikate zu. Auch für diese gilt Deutschland quasi als Paradies für kriminelle Aktionen. Für den Italiener Forgione keine überraschende Erkenntnis: „Das deutsche Problem liegt darin begründet, daß es anders als beispielsweise in Italien keine Präventivgesetze gibt, die das Einziehen von Kapital oder die Zerschlagung von offensichtlich kriminellen Unternehmensstrukturen möglich machen. In Deutschland werden immer nur Einzelpersonen verurteilt. Und diese sind austauschbar. Sei es bei uns Italienern oder bei den Russen.“ Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) versuchte vor einiger Zeit die Befürchtungen zu zerstreuen, Deutschland sei zum Tummelplatz für ausländische Kriminelle geworden. Doch die Aussage, daß „nur 50 Prozent der Organisierten Kriminalität von Ausländern begangen wird“, konnte nicht beruhigen. Interessant war immerhin des Ministers Feststellung, die italienische Mafia werde „überschätzt“. Sie liege in der innerdeutschen Rangliste nämlich hinter Türken, Polen und Russen nur auf Platz vier. Diese Einschätzung wird auch von den Ermittlern der Bundesländer geteilt. Während die türkischen und polnischen Banden eher bei Kleinkriminalität und Drogendelikten auffällig würden, reichten die Beziehungen russischer und italienischer Syndikate bis in höchste Wirtschaftskreise. Mafia-Experte Jürgen Roth nennt den Gasriesen Gazprom  ganz unverblümt beim Namen und bezeichnet den ehemaligen russischen Präsidenten und heutigen Ministerpräsidenten Wladimir Putin wörtlich als „roten Paten“. Sein Nachfolger im Amt des Präsidenten, Dmitri Medwedjew, war pikanterweise zuvor Aufsichtsratsvorsitzender von Gazprom. Da überrascht es wirklich, daß in Deutschland ein Bericht aus den USA kaum Verbreitung fand: Im Juni des vergangenen Jahres wurde dem russischen Präsidenten in einer Kongreß-Debatte „deutliche Nähe zur Mafia“ unterstellt. Auch der Name Gazprom fiel. Deren einflußreichster deutscher Lobbyist ist übrigens Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Foto: Mafia-Mord in Duisburg 2007: Nach den Tätern wird bis heute gefahndet

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