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Vom NKWD nach Yad Vashem

Der langjährige Leiter der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, Yitzhak Arad, eine der größten moralischen Autoritäten Israels, soll während des Zweiten Weltkriegs an Massenerschießungen im besetzten Litauen beteiligt und Mitglied des sowjetischen Geheimdienstes NKWD gewesen sein. Das schreibt die polnische Tageszeitung Rzeczpospolita unter Berufung auf die litauische Staatsanwaltschaft. Diese hatte offiziell einen Antrag an Jerusalem gestellt, Arad in der Sache vernehmen zu dürfen. Der 82jährige wird verdächtigt, in Aktionen gegen litauische und polnische Widerstandskämpfer verwickelt zu sein und dabei gefoltert und gemordet zu haben. Möglicherweise war er auch an der Erschießung eines Offiziers der polnischen Untergrundarmee Armia Krajowa (AK) beteiligt. Arad leitete die Gedenkstätte 21 Jahre lang und erwarb sich hohes Ansehen. Vorher diente er ein Vierteljahrhundert in der israelischen Armee, die er als General verließ. 1948 nahm er am Unabhängigkeitskrieg teil. Schon bei seiner Ankunft in Palästina 1945 galt er als Held: Arad hatte ab 1943 in sowjetischen Partisaneneinheiten bei Wilna gekämpft. Arad, der seine ganze Familie während des Holocaust verlor, wies alle Vorwürfe gegenüber der Rzeczpospolita kategorisch zurück. „Ich wiederhole: Nie habe ich einen einzigen Zivilisten umgebracht.“ Die litauische Staatsanwaltschaft, die nach eigenen Angaben über umfangreiches Beweismaterial verfügt, beschuldigte er des Antisemitismus. Auch sei er nach der Einnahme Wilnas durch die Rote Armee nicht in die Reihen des NKWD getreten: „Nein, niemals war ich in dieser Institution beschäftigt.“ Litauen sieht das anders. Die dort vorliegenden Dokumente sollen belegen, daß der damals 19jährige Arad regulärer Mitarbeiter des NKWD war. In Israel riefen die Vorwürfe große Empörung hervor. „Das ist ein außergewöhnlich destruktives Beispiel für historischen Revisionismus“, kommentierte ein Sprecher von Yad Vashem. „Jeder ehrliche Mensch, jede ehrliche Institution, mit uns an der Spitze, muß scharf dagegen protestieren.“ Ein Sprecher des Justizministeriums sagte, die israelischen Behörden hielten das Ermittlungsverfahren gegen Arad für „skandalös“. Der litauischen Regierung sei dieser Standpunkt unmißverständlich mitgeteilt worden.

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