Joachim Kuhs

 

Schwierige Umsetzung

Kaum sind die Straßenschilder vom Schnee befreit und vom Winterdreck gesäubert, droht ihnen neues Ungemach. Die Rechtschreibreform wurde vergangene Woche von den des Themas müden Ministerpräsidenten der Länder abgenickt, und ab August sollen die Änderungen dann an Deutschlands Schulen umgesetzt werden. Pech für die Pennäler, deren Schule in der Schloßstraße liegt. Die dürfte es in dieser Form gar nicht mehr geben. „Schlossstraße“ müßte da nun stehen, das Schild im Sinne geltender orthographischer Regeln ausgetauscht werden. Doch laut Berliner Zeitung sind sich die Verantwortlichen da noch längst nicht einig. Für die Berliner Innenverwaltung ist das Ganze kein Problem. Ihrer Meinung nach „richtet sich die Schreibweise einer Straße nach der Rechtschreibregel zum Zeitpunkt der Benennung“, und da galt eben eine andere Schreibung. Doch während Rudolf Hoberg, Vorsitzender der Gesellschaft für Deutsche Sprache, widerspricht: „Die neue Rechtschreibung gilt auch für Straßennamen“, tun sich die zuständigen Bezirke schwer mit der Umsetzung. „Wir haben darüber noch nie nachgedacht“, heißt es in Berlin-Mitte. Warum auch? Straßenschilder sind nicht gerade billig. Ebensowenig wie die Änderung des reformierten Namenszuges in allen Ausweisen, Pässen und Führerscheinen.

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