Empörende Muster

Die Frau mit dem gelb-braun-weiß gemusterten T-Shirt staunte nicht schlecht, als sie auf offener Straße in der Oldenburger Innenstadt von Ausländern als Rechtsextremistin beschimpft wurde. Bei genauerem Hinsehen zu Hause erschloß sich dann das Übel. In dem Gewirr verschiedenster Muster prangten auch mehrere etwa ein Zentimeter große Hakenkreuze. Der Schuldige war schnell ausgemacht: Die Frau hatte das Hemd bei der Modekette Adler gekauft. Dort stellte die Polizei am letzten Freitag umgehend weitere „T-Shirts mit Hakenkreuz-Aufdrucken“ (NDR) sicher. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat darauf ein Verfahren wegen des Verwendens von verfassungsfeindlichen Kennzeichen gegen Wolfgang Krogmann, den Sprecher der Adler-Geschäftsführung aus dem fränkischen Haibach, eingeleitet. Dieser ist außer sich: „Das ist ein schlimmer Fehler, der nicht passieren darf.“ Sofort wurden alle 99 Filialen informiert, sämtliche Hemden mit den schrecklichen Motiven aus den Regalen zu nehmen. Gegenüber der JF hob Krogmann das „tiefe Bedauern“ hervor, neben „Rückruf-Aktionen“ werde sogar über „Entschädigungen in Form von Modegutscheinen“ für die traumatisierten Kundinnen nachgedacht. Die interne Prüfung habe laut Krogmann ergeben, daß der Produzent in der Türkei einen indischen Designer beschäftigt hat. In dessen Heimat gilt das Hakenkreuz immer noch als Glückssymbol. Somit ist auch dieses Mal eigentlich die Globalisierung schuld.

Ahriman Verlag
Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
Hierfür wurden keine ähnlichen Themen gefunden.
aktuelles