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Der selbstverschuldete Untergang droht

Als vor zwei Wochen der irakische Regierungschef Nuri al-Maliki auf einer Pressekonferenz in Bagdad verkündte, „heute wurde Al-Sarkawi eliminiert“, ging zunächst ein Aufatmen durch die abendländische Welt. US-Präsident George W. Bush feierte die Tötung des mit einem Kopfgeld von 25 Millionen Dollar gesuchten Jordaniers als „einen Sieg im weltweiten Krieg gegen den Terror“. Der britische Premierminister Tony Blair sprach von einem „wichtigen Augenblick für den Irak“. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte den Tod Abu Mussab al-Sarkawis eine „gute Nachricht“, denn künftig werde er nicht mehr „Drahtzieher menschenverachtender Anschläge“ sein. „Es läßt aufatmen, daß ein so gefährlicher Mann nicht mehr unter uns ist“, meinte Uno-Generalsekretär Kofi Annan in New York zur Todesnachricht aus Bagdad. Bei seinem Kurzbesuch letzte Woche in Bagdad zeigte sich Bush aber schon wieder viel zurückhaltender und erklärte, er glaube nicht daran, daß die gewalttätigen Auseinandersetzungen im Irak bis zum Ende seiner Amtszeit Anfang 2009 beendet sein werden: „Wenn man als Kriterium ansetzt, daß es keine Gewalt mehr gibt, dann ist dieses Kriterium unmöglich zu erfüllen.“ Eine aktuelle Studie britischer Experten ist sogar zu dem Schluß gekommen, daß der „Kampf gegen den Terrorismus“ mehr Unterstützer desselben geschaffen als ausgeschaltet habe. Kenner der Materie dürfte die britische Erkenntnis dennoch nicht überraschen. Wie im Kalten Krieg nach 1945 – bei dem sich keine konkurrierenden Nationen, sondern entgegengesetzte und einander ausschließende Ideale gegenüberstanden und bekämpften – ist der Tod eines einzelnen Menschen, so wichtig er zu Lebzeiten auch gewesen sein mag, von recht geringer Bedeutung. Jeder Märtyrer bringt dem Dschihad Anziehungskraft Durch Sarkawis Tod hat der gewalttätige Islam lediglich eine „Waffe“ verloren, die aber sofort durch noch bessere „Waffen“, das heißt noch zelotischere Befürworter dieses Gedankenguts ersetzt worden ist. Wesentliche Änderungen auf diesem Schlachtfeld sind daher nicht zu erwarten. Wahrscheinlicher ist hingegen, wie etwa die jüdische Erfahrung in Palästina lehrt, eine Verstärkung des Kampfes gegen „den Westen“, denn mit jedem weiteren Märtyrer gewinnt die islamische Sache, sprich: der Dschihad, noch mehr an Anziehungskraft. Daß es sich hierbei in der Tat um einen echten Religionskrieg handelt, der gegen den „Westen“ geführt wird, wagt das Abendland – dessen aufklärerischen Grundlagen in unserem Zeitalter eine fast sakrosankte Trennung von Staat und Religion voraussetzen – noch nicht zur Kenntnis zu nehmen. Daher sind die westlich-abendländischen Regierungen überhaupt nicht imstande, ihren Feind richtig zu erkennen. Sie möchten den „Terrorismus“ bekämpfen, was so sinnvoll ist wie ein Krieg gegen Panzer oder Düsenjäger. Und weil ihnen nichts besseres einfiel, haben sie 2001 Afghanistan und 2003 den Irak angegriffen und erobert – obwohl es kein staatliches Wesen ist, geschweige denn eines dieser beiden war, das auf die Überwindung des Abendlandes abzielt. Trotzdem wird noch immer euphemistisch vom „radikalen Islamismus“ gesprochen, als wäre dieser eine Nebenerscheinung, die sich vom weltweit verbreiteten islamischen Gedankengut trennen ließe. Tatsächlich ist derjenige, der den Islam als die Hauptsache in seinem Leben ansieht, nicht „radikal“ und schon gar kein „Islamist“, sondern schlicht und einfach ein gläubiger Muslim, der seine Selbstvorstellung als solcher nicht ausnahmsweise – wie mancher im Westen glaubt -, sondern vollkommen erwartungsgemäß ernst nimmt. Nur demjenigen, der sich zu dieser Erkenntnis durchringt, wird die weitreichende – in der abendländischen Öffentlichkeit dennoch zumeist verschwiegene – Unterstützung des gegenwärtigen Dschihads durch Muslime in der ganzen Welt verständlich. Hoffnung auf göttliche Belohnung Schließlich hat der Islam – im Gegensatz etwa zum untergegangenen Nationalsozialismus – keinen „Führer“, dessen physischer Tod diesem Religionskrieg ein Ende machen könnte. Der „Führer“ des Islam heißt „Allah“, und seine Anhänger werden in diesem Krieg von der Hoffnung auf göttliche Belohnung zur selbstmörderischen Hingabe getrieben. Es ist folglich eben diese Vorstellung von „Allah“, die verändert, oder wie es heute gern heißt: „reformiert“ werden muß. Dies könnte nicht nur dem Westen, sondern vor allem auch den allerersten Opfern des Islam, das heißt den Muslimen selbst, zu einer besseren Zukunft verhelfen. Ohne eine Reform des Islam werden Sarkawis unzählige Nachfolger jedoch weiterhin die Oberhand haben: Wenn wir uns nicht nach Mekka wagen, kommt Mekka früher oder später auch zu uns. Yoav Akiva Sapir ist israelischer Historiker und Politologe und lebt in Jerusalem.

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