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Kein Platz für Völkermordbeschöniger

Mordüberfälle der Reitermilizen im Darfur-Gebiet, im Kosovo Terror albanischer Chauvinisten gegen Serben und Roma, Versuche Chinas, Indien und die EU für die gewaltsame Sinisierung Tibets einzuspannen, neue Militärvorstöße der Türkei gegen die Kurden – das Thema „Vertreibung und Völkermord“ bleibt aktuell. Zugleich zeigen der 90. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern und der bevorstehende 60. Jahrestag der Massenaustreibung von fast 15 Millionen Deutschen erneut, wie wenige Nachfahren der Täter sich in Polen oder Tschechien und erst recht in der Türkei der historischen Verantwortung ihrer Nation für die jeweiligen Menschheitsverbrechen stellen. Das deutsche Beispiel einer gegen die allfälligen Widerstände durchgesetzten Einsicht in historische Schuld und Verstrickung weist gewiß manche Fehlentwicklungen auf, aber im ganzen ist der deutsche Weg unendlich positiver als das verschämte bis schamlose Lügen in den meisten anderen Ländern, von denen Terror und Mord ausgingen. Es geht hier niemals um Rache und um Vergebung erst dann, wenn die Schuldigen beziehungsweise die fortgesetzten Nutznießer der Verbrechen – sprich die, die das Geraubte geerbt haben und als ihr Eigentum beanspruchen – Einsicht und Reue zeigen, indem sie ganz praktisch Sühne und Wiedergutmachung leisten. Die Deutschen, die im 20. Jahrhundert unter Annexionen, Vertreibung und Völkermord gelitten haben wie sonst nur noch Juden und Armenier, haben ein elementares Interesse daran, daß Vorgeschichte und Ablauf aller Vertreibungsverbrechen untersucht werden und daß den Tätern und ihren Nachfolgern öffentlich der Prozeß gemacht wird. Völkermord muß Völkermord genannt werden, konkrete Maßnahmen – Rückgabe enteigneten Landes, uneingeschränkte Möglichkeit der (Wieder-)Ansiedlung – müssen Schritt für Schritt durchgesetzt werden. Wenn die Gesellschaft für bedrohte Völker unter dem Motto „Gegen Flucht und Vertreibung – für Rückkehr“ Anfang Juli ihre Jahresversammlung abhält, wenn ein deutscher heimatvertriebener Wissenschaftler an dem Podiumsgespräch „Vertreibung verhindern – Rückkehr ermöglichen“ teilnimmt, wenn dort bei der Verleihung des nach dem großen jüdischen Humanisten Victor Gollancz benannten Preises neben dem unvermeidlichen Daniel Cohn-Bendit die BDV-Präsidentin Erika Steinbach die Laudatio hält, dann geht das in die richtige Richtung. Die Völkermordbeschöniger und Vertreibungsrechtfertiger dürfen nicht durchkommen! Rolf Stolz ist Mitbegründer der Grünen und lebt als Publizist in Köln.

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