Rollende Brandbombe

In der Nacht zum 20. April wurde ein Anschlag auf die NPD-Parteizentrale im Berliner Stadtbezirk Köpenick verübt. Die Täter sollen einen Renault-Kleinwagen vor das Gebäude geschoben haben und ihn mit Autoreifen und vollen Benzinkanistern zu einer rollenden Brandbombe gemacht haben. Gegen zwei Uhr nachts wurden die Anwohner durch die laute Explosion aus dem Schlaf gerissen, nur der rasche Einsatz der Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf das Gebäude verhindern. Allerdings entstanden schwere Schäden an der Außenfassade, zum Teil aber auch durch den Feuerwehreinsatz. Der Bundesgeschäftsführer der NPD, Frank Schwerdt, bezifferte gegenüber der JUNGEN FREIHEIT den Schaden mit etwa 10.000 Euro. Der Anschlag komme nicht unerwartet, so Schwerdt. Bereits seit Monaten gehe in „linken Kreisen“ die Parole um, man solle doch die NPD-Parteizentrale „unbürokratisch zurückbauen“. Das Landeskriminalamt bestätigte den Verdacht. Man sei sich dort sicher, daß ein „politischer Hintergrund“ vorliege, allerdings wurden kurz nach der Tat festgenommene Verdächtige wieder auf freien Fuß gesetzt, da sich der Tatverdacht nicht erhärtete, so eine Sprecherin im Gespräch mit dieser Zeitung. Bereits seit Monaten engagiert sich die Gruppe „Antifaschistische Linke Berlin“ (ALB) gegen die NPD-Zentrale sowie das nahegelegene Abschiebegefängnis in Berlin-Grünau. So ist für den 6. Juni eine Demonstration in Köpenick unter dem Motto „Endlich weg damit! NPD-Zentrale abreißen. Abschiebeknäste abschaffen“ angemeldet. Besonders an dem geplanten „Nationalen Bildungszentrum“ (NBZ) der NPD stören sich die Antifaschisten. In einem Interview mit dem ehemaligen FDJ-Organ Junge Welt vom 22. April nennt Karsten Laumeyer von der ALB die Gründe: „Mit dem NBZ soll eine zentrale Stelle zur Bildung vor allem junger Neonazis geschaffen werden. Das Gebäude am Sitz der NPD-Zentrale ist inzwischen fertiggestellt, eine Bauabnahme steht kurz bevor.“ Schwerdt schließt nicht aus, daß der Brandanschlag eigentlich dem NBZ-Neubau galt.

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