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Pure Angst

Tausende Menschen sind am Dienstagabend durch Amsterdam gezogen, um sich zu einer Kundgebung zu treffen – sie klapperten dabei mit Töpfen und Pfannen und pfiffen. Sie wollten auf diese Weise friedlich auf die bedrohte Rede- und Meinungsfreiheit aufmerksam machen – und des am Morgen ermordeten Filmregisseurs und Publizisten Theo van Gogh gedenken. Van Gogh war am 2. November mitten in Amsterdam auf offener Straße ermordet worden. Der 47jährige war in den Niederlanden vor allem wegen seiner provokativen Filme und Kolumnen bekannt. In den letzten Jahren war der unbequeme Freigeist mit radikaler Kritik am Islam hervorgetreten. Van Gogh war mit dem Fahrrad unterwegs, als er angeschossen wurde. Er schleppte sich verwundet auf die andere Straßenseite und starb durch weitere Schüsse und Messerstiche. Beim Attentäter handelt es sich um einen 26jährigen mit marokkanischem und niederländischem Paß. Er soll seinem Opfer auch die Kehle durchgeschnitten und ein Schreiben mit islamischen Texten hinterlassen haben, das er mit einem Messer am Leichnam befestigt hatte. Nachdem er weitere Personen verletzt und einen Polizisten angeschossen hatte, wurde der Araber von der Polizei gefaßt. Van Goghs erster Film „Luger“ (1981) wurde von der Kritik als „faschistisch“ und „frauenfeindlich“ bezeichnet. Der Inhalt seiner Filme war meist subversiv. Auch mit Literaturverfilmungen machte sich Van Gogh, der mit dem Maler Vincent van Gogh (1853 – 1890) verwandt ist, einen großen Namen. 1994 gewann Van Gogh den Preis der niederländischen Filmkritik. In seinem vorletzten Film „Cool“ (2004) beschäftigte er sich mit der Problematik krimineller Jugendlicher. Der Regisseur hatte jetzt gerade die Dreharbeiten für einen Film über den Mord an Pim Fortuyn, den 2002 kurz vor der Parlamentswahl ermordeten islamkritischen Politiker (JF 20/02, 20/03), beendet. Van Gogh war ein Bewunderer des charismatischen Fortuyn, den er als „Meister des freien Wortes“ bezeichnete. Auch Van Gogh bekritisierte den Islam als intolerant, unduldsam und aggressiv. „Wenn ich Mädchen mit einem Kopftuch frage: Fühlt ihr euch an erster Stelle als Muslimin oder Niederländerin?, dann lautete die Antwort: ‚zuerst Muslim‘. Man sagt als katholischer Niederländer doch auch nicht, daß man sich zuerst als Katholiken betrachtet?“ Anschuldigungen von islamischen Kritikern entgegnete er: „Sie beweisen nur, daß ich Recht habe, wenn sie mir ein Schreibverbot auferlegen wollen.“ Für heftige Kontroversen sorgte auch Van Goghs Film „Submission“, den er zusammen mit der rechtsliberalen Politikerin Ayaan Hirsi Ali (die aus Somalia stammt) drehte und bei dem es um die Unterdrückung von Frauen im Namen des Korans geht. „Selbstverständlich habe ich Angst“, erklärte der Parlamentsabgeordnete Geert Wilders. Integrationsministerin Rita Verdonk traf noch am Dienstagabend mit offiziellen Vertretern der niederländischen muslimischen Gemeinschaft zusammen – sie verurteilten den Mord und bezeichneten den politischen Islam als eine große Gefahr. Viele Niederländer machen sich nun noch mehr Sorgen um das Zusammenleben in ihrem Land, das einst als Musterland der Toleranz galt. Die Überwachung von Moscheen und verstärkter Einsatz der Polizei sollen jetzt verhindern, daß Konflikte zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen in weiterer Gewalt enden.

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