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„Man kommt nur mit Schockstrategie weiter“

Herr Hösl, schon im vergangenen Jahr, als Ihre Gruppe in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in Schlesien 700 Holzkreuze mit der Aufschrift „Deutscher 1945/46“ aufgestellt hat, sind Sie in Haft geraten (JF 33/03). Nun hat Sie die polnische Polizei erneut verhaftet und für 36 Stunden festgehalten. Hösl: Zivilfahnder hatten uns regelrecht aufgelauert, unseren Bus abgepaßt und mit drei Fahrzeugen eingekreist, wir wurden aus dem Wagen gezogen und in Handschellen gelegt. Wurden Sie korrekt behandelt? Hösl: Ja, im Gegensatz zu 2003, als wir 30 Stunden ohne Rechtsbeistand, ohne Essen und Trinken zusammen mit gewöhnlichen Kriminellen, denen man zuvor bedeutet hatte, „Da kommen die deutschen Nazis, kümmert Euch mal um die!“ in eine überfüllte Zelle gesperrt wurden. Diesmal gab es Einzelzellen, Verpflegung, und sogar die Dolmetscherin wurde gerügt, als wir den verhörenden Polizisten begreiflich machen konnten, daß sie bei der Übersetzung die uns entlastenden Passagen unterschlug. Wie hat man Sie erwischt? Hösl: Unsere Aktion läuft schon seit 1. Mai, also seit der EU-Osterweiterung. Wir sind etwa dreißig Aktivisten, im Schnitt 25 Jahre alt und haben abwechselnd in Gruppen von drei bis vier Personen operiert. Die polnische Polizei hatte bereits eine Sonderkommission eingesetzt, doch bislang konnten wir ihnen immer entgehen. Dummerweise wurden wir Ende Juli bei einer nächtlichen Plakatieraktion zufällig von einer Überwachungskamera gefilmt. Dabei waren Sie diesmal mit Nachtsicht- und Headset-Funkgeräten sowie Funkscannern ausgerüstet. Hösl: Mehrfach konnten wir mit Hilfe der Ausrüstung knapp entkommen, aber dann hat es uns eben doch erwischt. Nun ist Material – inklusive Auto – im Wert von 10.000 Euro beschlagnahmt. Wie viele Plakate und Flugblätter haben Sie geklebt und verteilt? Hösl: Dazu mache ich keine Angaben. Immerhin drohen uns in Polen bis zu drei Jahren Haft! Woher haben Sie das Geld für Ausrüstung, Plakate und Flugblätter? Hösl: Teils selbst bezahlt, durch Kredite, aus Spenden. Es gibt Förderer. Wen? Hösl: Menschen, die sich nicht damit abfinden wollen, daß der Kampf um Gerechtigkeit für die deutschen Vertriebenen verloren sein soll. Woher rekrutieren Sie Ihre Aktivisten, aus dem Vertriebenen-Nachwuchs? Hösl: Nur zum Teil. Das sind einfach junge heimattreue und deutschbewußte Menschen, denen es stinkt, daß die deutschen Opfer seit 60 Jahren in einer unheiligen Allianz aus polnischem Nationalismus und bundesdeutscher Political Correctness verschwiegen werden und daß die deutsche Politik und auch die offiziellen Vertriebenenverbände den Kampf um Gerechtigkeit und historische Wahrheit aufgegeben haben. Bilder von Leichenbergen und Frauen mit gespaltenen Köpfen auf Ihren Plakaten, dazu die polemische Schlagzeile: „Herzlich willkommen in der EU, unsere Gerichte arbeiten schon!“ Können Sie verstehen, daß dieser propagandistische Umgang mit der Geschichte auch auf manchen Gutwilligen eher abstoßend wirkt? Hösl: Es ist doch entlarvend, wenn diese Art der Darstellung plötzlich abstoßend wirkt, nur weil mal deutsche Opfer gezeigt werden und polnische Verantwortung einklagt wird. Wir sind solche Bilder und Sprüche sonst doch durchaus gewöhnt – nur sind da die anderen die Opfer und die Deutschen die Täter, dann ist das alles nicht unappetitlich, sondern „mutig“. Dabei liegen wir ja wohl etwa hinter der Polemik eines Paul Spiegel, der 2000 formulierte, ob es denn deutsche Leitkultur sei, Ausländer durch die Straßen zu jagen, weit zurück. Die Holzkreuz-Aktion wirkte dennoch würdiger. Hösl: Sie dürfen nicht vergessen, wie provozierend allein schon das Symbol des Kreuzes wirkt. Hat man lediglich Plakate und Flugblätter, muß man einen anderen Ton anschlagen. Wir sehen unsere zugespitzte Vorgehensweise als gerechtfertigt an, da sich die polnische Seite auch fast sechzig Jahre nach Kriegsende und 15 Jahre nach der politischen Wende immer noch weigert, den historischen Tatsachen ins Auge zu sehen. Sie haben sich in Deutschland selbst angezeigt. Warum? Hösl: Um zu beweisen, daß unsere Plakate und Flugblätter eben keine Propaganda sind, sondern die Wahrheit zeigen. Wir haben nämlich lediglich dokumentarische Fotos, historische Fakten und gesicherte Zahlen verwendet. Die Staatsanwaltschaft Görlitz hat meine Selbstanzeige niedergeschlagen, weil sie nichts Unwahres oder Verhetzendes finden konnte. Der eigentliche Skandal ist doch, daß Plakate, die die unbestrittene Wahrheit darstellen, als etwas Skandalöses empfunden werden. Insofern hat es sich bei unserer Aktion natürlich um eine gezielte Provokation gehandelt. Man muß sich dabei immer die Situation in Polen vor Augen halten, wo der Völkermord an den Deutschen geleugnet, die Vertreibung verharmlost wird. Die meisten jungen Polen in Schlesien wissen heute nicht, daß sie in einem Land wohnen, dessen seit 800 Jahren angestammte Bevölkerung beraubt, vertrieben und ermordet wurde. Die uns verhörenden Polizisten waren der festen Überzeugung, bei der Vertreibung sei kein Deutscher zu Tode gekommen! Wir haben das Mittel der Provokation gewählt, um diesen Panzer der Verdrängung aufzubrechen. Anders als mit einer Schockstrategie kommt man da nicht weiter, und die Ergebnisse haben uns recht gegeben. Inwiefern? Hösl: Die Berichte in der polnischen Presse mit großformatigen Fotos unserer Plakate führten dazu, daß unsere Bilder -und damit erstmalig Bilder von polnischen Verbrechen an Deutschen – landesweit in den Medien zu sehen waren. Daraufhin fragten Journalisten bei der Universität Breslau nach und hörten mit Erstaunen, daß es diese Verbrechen tatsächlich gegeben hat. Damit mündete die Empörung in den polnischen Medien in einer Debatte. Zwar ist es ein Skandal, daß ein Historiker weiterhin die Existenz des Todeslagers Lamsdorf bestritt – dabei ermittelt mittlerweile sogar die Staatsanwaltschaft Kattowitz in dem Fall -, aber die Diskussion ist angestoßen. Damit ist bewiesen, daß wir nicht gehetzt, sondern aufgeklärt haben und daß es offensichtlich ein Unterschied zwischen provozierend und feindselig gibt. In Deutschland sieht man das offensichtlich anders. Hösl: Leider ja. Zwar waren die Polen wirklich nicht erfreut über unsere Aktion, aber die Reaktion dort war wesentlich weniger heftig als zu Hause in Görlitz. Bis heute läuft eine regelrechte Kampagne in den Zeitungen ganz Sachsens gegen uns. Ich wurde quasi zum Staatsfeind Nummer eins stilisiert, sogar mit Wohnortangabe, was eine unverhohlene Einladung an die Antifa war, mich zu tyrannisieren. Prompt wurden mir die Scheiben eingeschlagen und die Hauswand mit Beleidigungen beschmiert. Doch auch nach dem Gewaltausbruch kein Aufruf zur Mäßigung! Statt dessen wird mittlerweile sogar schon gegen uns demonstriert. Während die Empörung in den polnischen Medien also in eine Diskussion mündete, mündet sie in Deutschland in einer medialen Hysterie. Auf der Straße werde ich dagegen jetzt häufiger und freundlicher gegrüßt als zuvor, und in Geschäften bekomme ich meinen Einkauf augenzwinkernd mit Nachlaß. Jürgen Hösl , 26, ist Buchhändler von Beruf. Weitere Information: www.bewaeltigen.de weitere Interview-Partner der JF

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