Dümmste Kälber

Der türkische Ministerpräsident Erdogan weiß genau, wer seine derzeit wichtigsten Hilfstruppen in Europa sind: die Regierung in Berlin und die zweieinhalb Millionen muslimischer Türken in Deutschland. So machte er sich sogleich zu Jahresbeginn nach Berlin auf, der größten türkischen Stadt außerhalb der Türkei, um den dortigen 150.000 Türken einen Besuch abzustatten und erneut die heißen Schwüre Joschka Fischers öffentlichkeitswirksam zu machen, den türkischen EU-Beitritt auf Biegen oder Brechen zu unterstützen. Der Deal zwischen Ankara und Berlin, Erdogan und Schröder-Fischer – man kann es nicht oft genug wiederholen – ist atemberaubend und hat gewiß historische Dimensionen. Sein Kern: Mitteleuropa und besonders das identitätsschwache Deutschland als Aufnahmebecken des enormen türkischen Geburtenüberschusses und umgekehrt der Durchbruch der rot-grünen Vision einer multikulturellen Gesellschaft in Deutschland und auf dem Weg dorthin die Nutzung einer immer stärkeren türkischen Minderheit als Wählerreservoir, um eine rot-grüne Mehrheit in Deutschland unumkehrbar zu machen. Dabei wird man in Berlin nicht aufhören, den angeblichen Nutzen des türkischen Zuzugs als Ausgleich des deutschen Geburtendefizits lautstark zu betonen und nicht zuletzt auch auf einen lukrativen türkischen Markt für die deutsche Wirtschaft nach dem EU-Beitritt der Türkei hinzuweisen. Doch die Sache hat nüchtern betrachtet einen gewaltigen Pferdefuß: Eine Mitgliedschaft des vorderasiatischen Landes geht weit über die finanziellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten der Europäischen Union hinaus. Nimmt man noch die historisch-kulturellen Faktoren hinzu, so muß die Ausdehnung der „europäischen“ Grenzen bis zum Iran und Syrien mit tödlicher Sicherheit zum Ruin und zum Ende alles dessen führen, was Europa jemals war und heute ist und sein kann. Es wäre die Opferung des eigentlichen Europa auf dem Altar einer technokratisch-ökonomistischen Hybris, die „zum Fall“ kommen würde. Das strategische Design Erdogans und Fischer-Schröders bedeutet die Opferung alles dessen, was wir unter einem authentischen, sich seiner kulturellen Identität sicheren europäischen Europa verstehen, zugunsten der türkisch-islamischen Landnahme in Mitteleuropa. Das Thema wird zum wohl zentralen Wahlprüfstein für die Europawahlen des kommenden Sommers, der unter dem Motto stehen sollte: Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber. Prof. Dr. Klaus Hornung lehrte Politikwissenschaft an der Universität Hohenheim..

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