Joachim Kuhs

 

Berliner Mohren

Lange bevor Friedrich der Große Preußen regierte, wohnten „Mohren“ im kurfürstlichen Berlin, wo sie als exotische Musiker am Hofe Dienst taten. Sie waren das ausgefallene „Geschenk“ des Hauses Oranien an die Hohenzollern. Noch im 18. Jahrhundert benannte man nach ihnen die Mohrenstraße in der neuen Friedrichsstadt. Später regten diese einen dort ansässigen Schokoladenfabrikanten zum Firmenlogo an (Sarotti). Zweihundert Jahre später stößt sich die PDS-Fraktion der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte an dem „rassistischen“ Straßennamen. „Genau wie Neger ist Mohr ein abwertendes Wort. Hier kommt die ganze Menschenrechtsproblematik zum Ausdruck“, weiß Fraktionsvorsitzende Sylvia Kalex. Obwohl man sich für den Umbenennungsversuch wenig Erfolg ausrechne und „grundsätzlich skeptisch“ sei, was Straßenumbenennungen angeht (zumindest bei Liebknecht- oder Zetkinstraßen), wolle man „einen wichtigen Denkanstoß geben“.

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