Studienzentrum Weikersheim

Wer sich von der vom Studienzentrum Weikersheim am vergangenen Montag in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin ausgerichteten Veranstaltung zum Irakkonflikt und seinen politischen Konsequenzen eine differenzierte Analyse erhofft hatte, wurde enttäuscht. Der Referent Brigadegeneral a.D. Dieter Farwick, ein klassischer Atlantiker, zeigte großes Verständnis für die US-Politik. Krieg als qualitativ äußerstes und nicht unbedingt zeitlich letztes Mittel – so sein Verständnis der „ultima ratio“ – müsse, wie die Amerikaner es täten, zur Gefahrenabwehr in Erwägung gezogen werden. Humanitäre Interventionen wie Präventivkriege könnten angesichts mangelnder (im Fall Saddam Hussein) oder fehlender Handlungsrationalität des Gegners (im Fall Osama bin Laden) nötig werden. Bloße Abschreckung greife hier nicht mehr. Vollkommen zu Recht kritisierte Farwick insofern den naiven Fundamentalpazifismus vieler erklärter Kriegsgegner in Deutschland und Europa. Er warf die Frage auf, ob auf dem Kontinent die erforderliche mentale Kriegsfähigkeit noch gegeben sei. Zweifel, ob ein Alleingang der USA in ihrer „Koalition der Willigen“ wirklich angemessen ist, ob die Umgehung des UN-Sicherheitsrat die wichtigste Institution der Weltgemeinschaft schwächt – vor allem jedoch an den hinter der US-Politik stehenden Absichten jenseits echter oder vorgeschobener Gefahrenabwehr und Demokratisierungsillusionen kamen dem Ex-General nicht. Vielmehr versprach er sich von einem schnellen Sieg der US-Truppen im Irak eine Schwächung des internationalen Terrorismus und eine Stabilisierung des Nahen Ostens.

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