Dank des Vaterlandes wird geringer

Die Erinnerung an die deutschen Opfer des Zweiten Weltkrieges ist notwendig. In einer Zeit, in der es politisch opportun geworden ist, von „Gesellschaft“ oder „Bevölkerung“ zu sprechen, ruft uns jedes Jahr im November ein Tag besonders dazu auf, uns zu unserem eigenen Volk zu bekennen: der Volkstrauertag. Ende des Ersten Weltkrieges wurde der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) gegründet, der auch heute noch im Auftrag der deutschen Regierung die Gräber unserer Kriegstoten im Ausland betreut. Anders ist es beispielsweise in Japan und Italien, wo staatliche Stellen bis in die Gegenwart versuchen, die identifizierbaren Kriegstoten der eigenen Nation in ihre Heimatländer zu überführen. Auch in Großbritannien und den Vereinigten Staaten ist es der Staat, der sich um die Gefallenen kümmert. In der Bundesrepublik Deutschland wird der staatliche Zuschuß für diese humanitäre Pflicht immer geringer. Der „Dank des Vaterlandes“ hinkt den Gefallenen hinterher – ohne sie überhaupt erreichen zu wollen. Jüngst weihte der Volksbund nahe des russischen Dorfes Sologubowka bei Sankt Petersburg nach dreijähriger Restaurierung die orthodoxe Kirche Mariä Himmelfahrt ein. Sie steht inmitten deutscher Gräber. Hier lag zu Kriegszeiten ein deutsches Feldlazarett und ein Soldatenfriedhof. Die Kriegsgräberfürsorge baute Sologubowka in den vergangenen Jahren zu einem der großen „Sammelfriedhöfe“ aus. In der Umgegend werden kleinere Wehrmachts-Grablegen und Friedhöfe aufgelöst und die sterblichen Überreste der Gefallenen in Sologubowka zur letzten Ruhe umgebettet. Über 1.000 Gäste waren bei der Einweihung Ende September 2003 durch Volksbund-Präsident Reinhard Führer zugegen. Die Einweihungsrede hielt der deutsche Botschafter in Moskau Hans-Friedrich von Ploetz. Vera Platoschina, die Vertreterin der Kirowsker Gebietsverwaltung, dankte den deutschen Initiatoren für den Wiederaufbau des 150 Jahre alten Gotteshauses im Geist der Versöhnung. Evangelische, katholische und orthodoxe Geistliche waren zugegen. Die deutsche und russische Nationalhymne erklangen nach dem Lied vom Guten Kameraden. Im Kellergewölbe der Kirche wird 850.000 deutscher Gefallener und Vermißter im Osten namentlich gedacht. Kriegsvermißtensuchgruppen übergeben dem örtlichen Umbetter des Volksbundes laufend neu aufgefundene Gebeine zur Beisetzung. Derzeit ruhen in Sologubowka 32.000 Soldaten, 80.000 werden es wohl einmal werden. Dann würde Sologubowka mit seinem Friedenspark das größte deutsche Soldatengrabfeld der Welt. Ähnliche Arbeiten gehen auch auf dem Sammelfriedhof Neumarkt bei Stettin vonstatten. Deutsche und polnische Gruppen bergen Vermißte der letzten Kriegswochen aus dem verteidigten Pommern. Erst kürzlich fanden die binational operierenden Suchtrupps wieder 17 deutsche Soldaten vor Stettin. Über die Deutsche Dienststelle wurden deren Angehörige benachrichtigt. Doch auch von russischer Seite wird die Hand zur Versöhnung gereicht: Zum diesjährigen Volkstrauertag wird in Süddeutschland erstmals ein ehemaliger sowjetischer Oberst an deutschen Gräbern die Gedenkrede halten. Als Oberleutnant hatte er einst an der Eroberung Berlins teilgenommen. Deutsche Kriegsvermißtensuchgruppen hatten vor wenigen Jahren eine Maschine seines Luftwaffen-Sturm-Geschwaders in brandenburgischer Erde geborgen. Der Pilot und sein Bordschütze, die sich noch in dem Wrack des Schlachtfliegers befanden, waren ihm persönlich bekannt. Die beiden Gefallenen wurden inzwischen auf die russische Kriegsgräberstätte Lebus überführt. „Den Charakter eines Volkes“, so Charles de Gaulle, „erkennt man daran, wie es nach einem verlorenen Krieg mit seinen Soldaten umgeht.“ Fotos: Namenstafeln für deutsche Gefallene in Sologubowka: Erinnerung an bis zu 80.000 Soldaten / Kirche Mariä Himmelfahrt in Sologubowka: Ort des Gedenkens Weitergehende Informationen gibt es beim: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
Werner-Hilpert-Straße 2, 34112 Kassel
Telefon: 05 61 / 70 09-139, Fax: -270
Internet: www.volksbund.de

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