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Atombewaffnung ist ein gutes Recht

Am 28. März schickte Japan seine ersten beiden Spionagesatelliten ins All. Die japanische Welt-raumbehörde sprach von einem nahezu reibungslosen Start. Zwei weitere Militärsatelliten sollen folgen. Erstmals war es aber kein Import aus den USA, sondern eine japanische H2-A-Trägerrakete, die den künstlichen Himmelskörper vom Weltraumzentrum Tanegashima (1.200 Kilometer südlich von Tokio) in den Weltraum beförderte. Es ist überraschend, daß Japan ein solches Verteidigungssystem ohne Beteiligung der US-Rüstungsindustrie aufbauen „durfte“. Denn bereits in den achtziger Jahren wollte Mitsubishi gemeinsam mit der Daimler-Benz Militärflugzeuge herstellen. Doch der ehrgeizige Plan scheiterte – „dank“ massivem Drucks aus Washington. Daimler und Mitsubishi mußten sich dann in den neunziger Jahren mit der Bildung eines multinationalen Konzernverbundes zufriedengeben – aber inklusive des „Gewinnfressers“ Chrysler aus Detroit. Die japanische Regierung begründete ihre militärische Weltrauminitiative mit der „Abwehr der nordkoreanischen Gefahr“. Das 250 Milliarden Yen (etwa zwei Milliarden Euro) teure Programm soll die wetterunabhängige Beobachtung Nordkoreas aus einer Höhe von 400 bis 600 Kilometer ermöglichen. Bislang ist Japan auf US-Geheimdienstberichte angewiesen. Die 1948 ausgerufene „Koreanische Volksdemokratische Republik“ ist in der Tat ein Musterland der Aggression und des Terrors. Schon am 25. Juni 1950 überschritt die Volksarmee des kommunistischen Nordkoreas die Demarkationslinie am 38. Breitengrad und marschierte in Südkorea ein, das vom pro-westlichen Regime Syngman Rhees regiert wurde. Es gibt heute keine Zweifel mehr daran, daß der damalige Diktator Kim Il-Sung – mit Zustimmung der Sowjetunion – ganz Korea unter seine Herrschaft bringen wollte. Inzwischen zugängliche sowjetische Geheimdokumente bestätigen dies. Der Angriff kam für Washington völlig überraschend – die USA hatten ihre Armee bis 1948 auf knapp eine halbe Million Mann reduziert. Am 27. Juni 1950 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat (ohne Beteiligung der Sowjetunion) dann eine Resolution, die von den USA eingebracht worden war: militärische Sanktionen in Form von UN-Streitkräften gegen Nordkorea. 19 UN-Staaten unter Führung der USA verdrängten – nach anfänglichen Mißerfolgen und hohen Verlusten auf beiden Seiten – die nordkoreanische „Volksarmee“ und die chinesischen „Freiwilligenverbände“ wieder aus Südkorea – der 1953 geschlossene Waffenstillstand von Panmunjom gilt bis heute. Der selbsternannte „unbesiegbare Feldherr“ Kim Il-Sung blieb aber – dank rotchinesischer Hilfe – an der Macht, obwohl durch den dreijährigen Krieg das „Land der Morgenfrische“ total verwüstet worden war. Kim, militärisch gescheitert, konzentrierte sich zunächst ganz auf den Machterhalt im Inneren. In „Säuberungsaktionen“ wurde die „Partei der Arbeit“ zur „Einheitspartei“ umgestaltet. Nicht nur Sozialdemokraten oder Nationalisten fielen Kims Terror zum Opfer, selbst Pro-Moskau- und Pro-Peking-Kommunisten wurden hingerichtet oder in „Arbeitserziehungslagern“ zu Tode gequält. Der „Marxismus-Leninismus“ wurde durch die „Juche-Ideologie“ (das Führerprinzip der Kim-Dynastie) als Staatsdoktorin verdrängt. Die „Juche“-Diktatur ist weitaus brutaler als die Stalin-Herrschaft in der Sowjetunion. Der Diktator in Pjöngjang zeigte bald auch keine Scheu mehr, offen mit internationalen Terroristen zu paktieren. Ende 1969 entführte die „Rote Armee Fraktion“ Japans (Sekigunha) ein Passagierflugzeug. Trotz des Protests der Sozialisten und Kommunisten in Japan begrüßte Kim die Entführer als Staatsgäste. Die Insassen wurden erst zwei Monate später freigelassen. Die meisten Ostblockstaaten waren viel vorsichtiger – die DDR leugnete bis 1990 jegliche Kontakte. Ob Abu-Nidal, die PKK oder die deutsche RAF – fast alle Terrorgruppen der Welt waren in Pjöngjang gern gesehen. Doch Nordkorea selbst ist ein „Terrorstaat“. So versuchte 1968 ein nordkoreanisches Kommando, den südkoreanischen Präsidenten Park Chung Hi und seine Residenz in Seoul in die Luft zu sprengen. Die südkoreanische Polizei verhinderte das Attentat, wobei 16 Nordkoreaner getötet werden. 1974 schoß ein in Japan geborener nordkoreanischer Terrorist auf Park Chung Hi – und trifft seine Gattin tödlich. Bei einem Bombenanschlag des nordkoreanischen Geheimdienstes auf den südkoreanischen Präsidenten Chun Doo Hwan sterben in der birmanischen Hauptstadt Rangun 19 Menschen. 1987 explodiert ein südkoreanisches Passagierflugzeug über dem Meer vor Burma – 115 Menschen kommen ums Leben. Die nordkoreanische Agentin Kim Hyon Hui gesteht, zusammen mit einem Komplizen eine Zeitbombe an Bord gebracht zu haben. Außerdem ließ Kim Il-Sung von seinen Spionageneinheiten zahlreiche Japaner entführen. 2002 gab sein Sohn und Nachfolger, Kim Jong-Il, der „geliebte Führer“, die Entführungen offiziell zu – um das Verhältnis zu Japan zu entkrampfen. Die Entführungen unzähliger Südkoreaner leugnet er hingegen hartnäckig weiter. Und im Gegensatz zum Irak stellen die Massenvernichtungswaffen Nordkoreas tatsächlich eine ernstzunehmende Gefahr dar. Yongbyon, eine Stadt nördlich von Pjöngjang, ist das Zentrum des Atomforschung in Nordkorea. Kim wies die Mitarbeiter der internationalen Atombehörde IAEA aus – da die „Atombewaffnung ein gutes Recht seiner Nation“ sei. Auch Chemie- und Bio-Waffen wären vorhanden, das bestätigten mehrere geflüchtete Führungskader der nordkoreanischen Armee. 1998 überflog eine nordkoreanische Langstreckenrakete vom Typ „Taepo Dong“ Japan – und stürzte erst vor Alaska in den Pazifik. Der „Taepo-Dong-Schock“ löste schließlich das eingangs erwähnte japanische Spionage-Satellitenprogramm aus. Neben der „Taepo Dong-1“ mit 2.000 Kilometer Reichweite ist auch eine „Taepo Dong-2“ mit 6.000 Kilometer Reichweite in Arbeit. Am 1. April, unmittelbar nach dem Start der japanischen Spionagesatelliten, reagierte Nordkorea mit einem erneuten Raketentest. Und Nordkorea hat trotz des Verlustes der kommunistischen „Bruderstaaten“ in Europa weiterhin mächtige (aber geheime) Verbündete: allen voran Pakistan, das nicht nur al-Quaida und die Taliban unterstützte, sondern auch Pjöngjang Atomtechnologie liefert. Obwohl US-Präsident Bush Nordkorea der „Achse des Bösen“ zurechnet, gibt es deutliche Unterschied zu Irak und Iran. Nordkorea hat kein Öl. Es ist ein Land, wo die USA keinen Dollar mit einem Krieg verdienen können. Auch die Intention Japans scheint eindeutig. Am 16. März sprach US-Vizepräsident Cheney in einem NBC-Interview über die „mögliche Atombewaffnung Japans“. Und der Traum der japanischen Großmachtsdenker ist ein ständiger Sitz im UN-Sicherheitsrat – als Atommacht. So sind auch die einseitig proamerikanischen Äußerungen des japanischen Premiers Koizumi in der Irak-Frage zu erklären: Punkte gewinnen bei der Bush-Regierung. Ist Nordkorea der Irak von Morgen? „Nein“, antwortete der in Japan lebende nordkoreanische Professor Lee Young-hwa. „Falls Einmarsch der Alliierten aber mit südkoreanischen Truppen erfolgt, werden die Bewohner von Nordkorea die ‚feindlichen‘ Soldaten aber als Befreier begrüßen“, so der Wissenschaftler von der Kansai Universität Osaka. „Die Menschen leiden im Norden unter grausamen Hunger. Kim Jong-il hat keinerlei Unterstützung in der Bevölkerung.“ Aber in Washington denkt wohl niemand an eine „Befreiung“ Nordkoreas. Foto: Pjöngjanger Machthaber Kim Jong-Il (M.) mit Militärführern: Nordkorea ist Teil der „Achse des Bösen“ – hat aber kein Öl

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