Ohne Gleichen …

Die Süddeutsche Zeitung hat einen wohl einzigartigen Intelligenztest ihrer Redakteure publiziert, in dem versucht wird nachzuweisen, daß die Sprache des Herrn Hitlers jener von Jörg Haider gleicht.

Wie wir uns erinnern, ist jener Herr aus Braunau einst aus reiner Verzweiflung nach Bayern übersiedelt, weil ihm die politische Karriere in seiner österreichischen Heimat nicht schnell genug vorkam. Dort, in der Heimat der Dichter und Denker explodierte sie sozusagen, und es waren vor allem jene Gebildeten der Gesellschaft, die heute die Süddeutsche als Kennzeichen ihrer sich vom Volk abhebenden Leserschaft vereinnahmt, die damals den schnauzbärtigen, hysterischen Österreicher hofierten und ihm folgten. Mit so einer Vergangenheit fertigzuwerden und sie auch noch als eigene Familiengeschichte zu verarbeiten ist sicherlich nicht einfach, und wir haben als Österreicher Verständnis für jene verzweifelten Deutschen der zweiten und dritten Nachkriegs-Generation, die einen Ausweg aus dieser Tradition in einer Flucht nach vorne über die Grenze nach Salzburg versuchen.

Wenn also – so dachten vielleicht jene ganz Schlauen in der Süddeutschen – der Jörg wie der Adolf spricht, dann ist entweder der Jörg ein ganz Schlimmer, wenn man davon ausgeht, daß der Adolf einer war, oder der Adolf gar nicht so schlimm, wenn der Jörg ein Demokrat ist und die Anhänger des Adolfs einst auch nicht schlimmer waren als die Wähler, die Jörg ihre Stimme gaben – mit einem Wort: Wir Deutschen sind gar nicht so böse, wie die Welt glaubt, denn 27 Prozent der Österreicher wählten einen Jörg, der doch wie der Adolf einst sprach, und im Grunde genommen sind die Österreicher sowieso an allem schuld, weil der Jörg und der Adolf Österreicher sind.

Man könnte dafür mehr Mitleid aufbringen, wenn diese "Pifkes" nicht so anstrengend und humorlos wären. Man hätte ja alles noch als schlechten Scherz vergessen können, wenn nicht die Herrn der Süddeutschen auch noch vor Gericht beweisen wollen, daß ihr Vergleich zwischen Jörg und Adolf "wissenschaftlich" nachweisbar ist.

Wie sagte einst ein Wanderer aus Deutschland, der den ganzen Tag Schwammerln suchte und erschöpft, aber glücklich abends den vollen Korb der Bäuerin, bei der er den Urlaub verbrachte, überreichte: "Machen sie mir doch ein schönes Pilzgulasch!"

"Die sind aber alle giftig!" sagte die Bäuerin. Der Wanderer aus Deutschland überlegte kurz und sagte dann: "Jetzt hab ich den ganzen Tag geschuftet, jetzt werd ich sie auch essen!"

Peter Sichrovsky ist Europaabgeordneter und für Außenpolitik zuständiger Generalsekretär der FPÖ.

Unterstützung

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen

Hierfür wurden keine ähnlichen Themen gefunden.

aktuelles

All articles loaded
No more articles to load