Posse an Humboldt-Uni

Gender-Fachschaft wirft Transvestiten raus

BERLIN. Die Auseinandersetzungen am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin schlagen derzeit hohe Wellen. Die „weiß und trans-positionierte“ Person R. ist von der studentischen Fachschaft ausgeschlossen worden. In einer offiziellen Stellungnahme wirft diese R. vor, während „seiner_ihrer“ Tätigkeit sei es „zu massiven rassistischen Äußerungen und Handlungen“ gekommen.

Daher habe sich die Fachschaft entschlossen, die Angelegenheit öffentlich zu machen. „Denn Rassismus ist keine Privatangelegenheit!“ Auslöser des Streits ist eine Lehrveranstaltung der Dozentin Lann Hornscheidt, die den Lehrstuhl für „Gender Studies“ innehat. Hornscheidt heißt mit bürgerlichen Namen Antje, will aber keinem Geschlecht zugeordnet werden. Während des Seminars „wurde gegen den, von Lann Hornscheidt ausgeübten, Rassismus interveniert“.

Wer darf denunzieren?

Eine „beteiligte, cis-positionierte, PoC“ habe die Fachschaft über Hornscheidts Rassismus und die Intervention dagegen informiert. R. habe auf die Denunziation „anmaßend und diskriminierend“ reagiert, wirft ihm die Fachschaft vor. So habe R. von der Schwarzen „spezifische Auskünfte über die race- und gender-Positionierungen innerhalb der Interventions-Gruppe“ verlangt. Als Cis-Gender werden Menschen bezeichnet, deren sexuelle Identität mit ihrem biologischen Geschlecht übereinstimmt.

Aus Sicht von R. sei das Seminar als ein „Schutzraum für Trans*-Personen“ zu sehen: „Somit müsse, als Legitimation, ein_e Trans*Inter*GnC (Gender non Conforming) PoC oder Schwarze_r in die Intervention involviert sein.“ Sei eine solche Person nicht verfügbar, „müsse letztlich eine weiße Trans*Inter*GnC Person die Erlaubnis erteilen, in einem „weißen Trans*Schutzraum“ zu intervenieren, zum Beispiel R. selbst.“

Alle Räume der Universität sind rassistisch

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Die „cis-positionierte“ Schwarze weigerte sich aber, Auskünfte über die sexuelle Orientierung der Anti-Rassismus-Interventionisten zu geben. „Die WoC wies R.s uneinsichtiges Beharren auf Antworten und diese Argumentationsweise an sich, als Ausdruck rassistischen Derailings und weißen Dominanzgebärens entschieden zurück.“ Die Fachschaft folgte der Argumentation.

Schwarze brauchen nicht die Argumentation eines Weißen, um gegen Rassismus vorzugehen, noch seien sie diesem „Rechenschaft oder Auskunft schuldig“ heißt es seitens der Fachschaft. „Das Nachfragen an sich, als auch der Glaube, ein Recht auf eine Antwort zu haben, sind in diesem Zusammenhang rassistisch.“ Auch könne es keine von weißen dominierte Schutzräume geben.

„Selbst wenn der Raum trans*freundlich wäre, so wäre er dies nur für weiße Trans*-Menschen, da er rassistisch strukturiert ist, wie alle Uni-Räume hier. Daher kann er kein ‘sicherer’ Raum für Schwarze oder PoC sein, gleich welcher Gender-Positionierung oder sexuellen Orientierung. Somit kann ein weißer Raum niemals als Schutzraum fungieren.“ Aufgrund dieser Positionen sei eine Mitarbeit mit R. nicht möglich. „Die dargelegten rassistischen Handlungen können wir nicht tolerieren.“ (FA)

> Die vollständige Stellungnahme im Internet

Piktogramm: Die Fachschaft für Gender Studies an der Humboldt-Universität wirft Transe raus.

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