Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Hut ab

Eine US-amerikanische Tageszeitung hat eine Korrekturleiste eingerichtet und jetzt einen falschen Namen korrigiert — der Fehler war in den 1960er Jahren unterlaufen. Das ist natürlich albern. Nichtsdestotrotz ziehe ich vor jedem Kollegen den Hut, der Fehler im nachhinein einräumt. Bemerkenswert war in diesem Kontext die Medienseite der Berliner Zeitung vom 21. August. In Erinnerung an den Prager Frühling druckte die Zeitung ein großes „Regret“, wie die US-Amerikaner sagen, eine Entschuldigung. Das Ex-SED-Bezirksblatt räumte ein: „Die Berichte über Prag 1968 gehören zu den Tiefpunkten der Pressearbeit in der DDR und dieser Zeitung.“ Die Berliner habe damals gelogen, geeifert und gehetzt. Soviel Selbstkritik habe ich selten gelesen, auch wenn sich das Blatt einen unnötigen wie unsachlichen Seitenhieb auf die Westpresse nicht gespart hat. Es scheint einfach so zu sein: Erst wenn eine andere Generation das Sagen hat, werden die Fehler der Älteren wirklich verarbeitet. Das läßt ja hoffen, daß wir in vierzig Jahren lesen, wir schwachsinnig und wie verlogen der „Kampf gegen Rechts“ war — damals, zur Jahrtausendwende.

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