Der atemberaubende Untergang der Szent István

Sie waren gekommen, um einen großen Sieg zu filmen, doch sie wurden Zeugen einer Tragödie. Als am 9. Juni 1918 die Schlachtflotte der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie auslief, um die alliierte Seeblockade in der Straße von Otranto zu durchbrechen, durch die die k.u.k.-Marine in der Adria gefangen war, befand sich auch eine Filmmannschaft an Bord. Sie sollte den erhofften Erfolg im Seekrieg für die Heimatfront in Szene setzen, um die kriegsmüden Völker des Kaisers bei Laune zu halten. Doch es kam anders, als es sich der Flottenchef und spätere Reichsverweser von Ungarn, Miklós Horthy, vorgestellt hatte. Das modernste Schlachtschiff des Habsburger Reiches, die Szent István, die 937 Tage untätig im Hafen von Pula vor Anker gelegen hatte, wurde in der Nacht Opfer italienischer Torpedoschnellboote — lange bevor es die Straße von Otranto überhaupt erreicht hatte. Vom Schlachtschiff Tegetthoff aus filmten die Kameraleute den Todeskampf des Schiffes. Die einzigartigen Aufnahmen vom Untergang der Szent István, bei dem 89 Seeleute ihr Leben ließen, bilden die Grundlage der Dokumentation „Torpedos im Morgengrauen“, mit der Arte an das Ende der Donaumonarchie vor neunzig Jahren erinnert. Anhand der historischen Aufnahmen, ergänzt durch Spielszenen und Computersimulationen, rekonstruiert der Film die tragischen Ereignisse in eindrucksvollen Bildern. Im Zentrum des Geschehen steht der Maschinenleiter Franz Dueller, der durch seinen Einsatz im Kesselraum dazu beitrug, das Schiff nach den Torpedotreffern noch mehrere Stunden lang über Wasser zu halten, und so das Überleben der meisten Mariner ermöglichte. Dennoch markierte der Untergang des stolzen Schiffes das Ende der k.u.k.-Marine und läutete den Untergang des Habsburger Reiches wenige Monate später ein.

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