Telegenes Küchendrama

Fertiggerichte stehen hoch im Kurs. Vor allem die stetig wachsende Zahl der Singles hat immer weniger Zeit zum Kochen und greift vermehrt ins Kühlregal. „Pessimistische Kulturkritiker befürchten“ nun gar, daß „die Fähigkeit zu kochen, und sei es etwas so Einfaches wie Kartoffelbrei oder Gulasch, innerhalb von ein, zwei Generationen aus unserer Gesellschaft verschwunden sein wird.“ (Die Zeit) Doch all die negativen Entwicklungen gehen am Fernsehen und seinen Zuschauern scheinbar spurlos vorbei. Denn entgegen allen Ernährungstrends blüht das Geschäft mit den Kochshows, kurz Gastro-TV genannt. Für jeden Geschmack ist was Passendes dabei Selig die Zeiten, als ein Max Inzinger in den siebziger Jahren mit seinem „Ich hab da schon was vorbereitet“ die ZDF-Drehscheibe würzte. Vorbei die Zeit, als das Maggi-Kochstudio noch die ganze Familie an den Herd brachte. Irgendwann nahm dann Alfred „hmm, lecker“ Biolek die TV-Löffel in die Hand und setzte die Lawine in Gang. Heute hat jeder noch so kleine Sender sein Gastro-TV im Programm und die berühmt-berüchtigten TV-Köche à la Zacherl, Lafer, Mälzer, Sass und Schubeck kochen ihr telegenes Süppchen. Und wie in jedem guten Programm üblich, ist für jeden Geschmack etwas dabei. Der eine brutzelt ganz in weiß und ein anderer im „coolen“ T-Shirt. Der eine Koch – TV-Köchinnen gibt es aus unerfindlichen Gründen nicht – sieht aus wie der liebe Onkel von nebenan, und der andere sieht eher aus, als würde er die Kräuter rauchen, statt sie zu kochen. Na dann guten Appetit!

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