Rußlands Macht und rollender Rubel

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder wird Aufsichtsratsvorsitzender bei einer Tochter des russischen Staatskonzerns Gaz-prom. Damit gewinnt der Themenabend "Hauptsache, der Rubel rollt – Rußlands Wirt-schaftsbosse und die Macht" an Brisanz und Aktualität (arte, Dienstag, 3. Januar 2006, ab 20.40 Uhr). Der in deutscher Erstausstrahlung gesendete Dokumentarfilm "Die Oligarchen – Aufstieg und Fall einer russischen Elite" von Alexander Gentelelev beleuchtet dabei den Aufstieg und Werdegang der wirtschaftlichen Führungsriege Rußlands, die heute teilweise im Ausland lebt.

Freimütige Auskünfte – offenherzig und zynisch

Hauptfiguren des Films sind der Geschäftsmann Wladimir Gussinski, der das russische Privatfernsehen kontrollierte, der Metall-Magnat Michail Tschernoi und der Finanzmogul Boris Beresowski – heute allesamt im Exil. Alle drei gaben Regisseur Gentelev in eindrucksvollen Interviews freimütig Auskunft über ihre Erfolge, die politischen Zusammenhänge, Auseinandersetzungen und Strategien jener Zeit. Geradezu verblüffend dabei ist die offenherzige und zynische Art, mit der diese ihre Gesetzesübertretungen und ihren Kampf um Macht, Reichtum und Einfluß schildern. Der Film zeigt auf, wie die Privatisierung der staatlichen Betriebe um jeden Preis vollzogen und der aufkommende Kapitalismus von den Oligarchen (aus)genutzt wurde, so daß ganze Wirtschaftssek-toren in ihre Hände fielen. Doch gerade Oligarchenkreise waren es auch, die Putin an die Macht gebracht haben. Der "bedankt" sich mit Drohungen, Enteignungen oder Gefängnis – und bei dem "Genossen der Bosse".

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