Muttersöhnchen

Auch das noch. Helmut Karasek gehört zu der Kategorie Mensch, die die Vergangenheit ihrer Eltern auf unsere Kosten bewältigt. Karasek war Napola-Schüler wie Hardy Krüger. Papi war Kreisleiter im NS-Staat. In „Menschen bei Maischberger“ hat der 70jährige neulich ausgepackt. „Ich war ein Muttersöhnchen“, bekannte der Mann, der nach seiner Mutter vor allem von Marcel Reich-Ranicki im Literarischen Quartett gesagt bekam, was Sache ist. Ein wenig sieht Karasek auch die Schuld bei sich selbst, über seine Napola-Zeit sagt er: „Ich wollte nicht scheitern, im nachhinein macht mich das mißtrauisch.“ Und dann kann er der Vertreibung, die nach seiner Lesart vermutlich eine gerechte Strafe war, Positives abgewinnen. Flucht sei ein gutes Lebenstraining, sagt Karasek. Aber Sandra M. geht gleich in die nächste Runde: Wieder Vergangenheitsbewältigung, diesmal DDR. Es erschien der letzte Staatsratsvorsitzende der DDR, Egon Krenz – frisch aus der wohlverdienten Haft. Der braune Sakko sieht genauso häßlich aus wie schon 1989. „Wie die deutsche Einheit gelaufen ist, das kann ich nicht begrüßen“ – das ist wenigstens mal ein ehrlicher Anfang von Krenz. Ansonsten laviert er herum, will nicht für die Mauertoten verantwortlich sein etc. Und das, obwohl er einer der mächtigsten Männer im SED-Staat war. Vergleichen wir das mal mit einem Pimpf wie Karasek, der sich heute noch schämt, obwohl er das allerletzte Glied in der Kette war. Siehe da! Vergangenheitsbewältigung ist nicht gleich Vergangenheitsbewältigung.

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