Bahn-Patriot

Der PR-Supergau ereignete sich, als die Deutsche Bahn offiziell die neue Strecke Berlin-Hamburg einweihte. Endlich fahren die Züge zwischen den beiden größten deutschen Städten wieder in nur neunzig Minuten. Das ist gut für Hartmut Mehdorn, weil die Bahn-Manager sonst nur Negativ-Schlagzeilen wie Fahrpreiserhöhungen produzieren. Jetzt – endlich mal ein Erfolg an der Imagefront! Alles war perfekt vorbereitet. Brav berichtete der Spiegel von dem bevorstehenden Ereignis. Ole von Beust stand mit der Kelle in der Hand auf dem Hamburger Bahnhof und verabschiedete den VIP-Zug. In diesem befanden sich Promis wie Walter Momper (Berliner Parlamentspräsident) oder Volker Rühe (MdB aus Hamburg). Mehdorns Fehler bestand vermutlich darin, auch Maut-Minister Manfred Stolpe mitzunehmen. Der ist nun mal Garant dafür, daß etwas schiefgeht. Mit Feuerwerk fuhr der Zug in Berlin ein. Alle Kameras verfolgten den ICE, der mit der Aufschrift „Bestzeit“ versehen war. Dann blieb aber der parallel gestartete ICE für Otto Normalfahrer in Ludwigslust wegen eines Defekts der Stromleitung liegen – ein Desaster für Mehdorn. Als der Bahn-Boß dazu interviewt wurde, antwortete er, er wolle sich seine gute Stimmung nicht vermiesen lassen. Das erinnert ganz stark an Gerhard Schröder: Deutschland „schlechtzureden“ ist unpatriotisch. Die Bahn kommt: Wer nur kräftig daran glaubt, der ist ein wahrer Patriot.

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