Dallas

Dallas – das war für uns Inbegriff der achtziger Jahre. Damals war das Weltbild noch schwarzweiß, und die Amerikaner waren die Guten. Joschka Fischer war noch ein Rabauke, für den Amerika nur Pershingraketen bedeutete. Die Begeisterung unserer Eltern für den Amerikanischen Traum, der durch Southfork versinnbildlicht wird, hat sich auf uns übertragen. Einmal in der Woche kam die unendliche Familiengeschichte der Ewings in der ARD, die nicht verpaßt werden durfte. Als die letzte Folge über den Bildschirm flimmerte, wurde sogar die Verschiebung des Urlaubs in Erwägung gezogen, damit wir sie nicht verpaßten. Erinnern wir uns: Da ist die Antiheldin Pam. Sie fährt zwar einen Porsche Cabrio, von dem wir heute noch träumen. Sie ist aber die unerquicklichste Frau unserer Kindheit, vor deren dominanter Art wir uns heute noch fürchten. Ihren Gegenpart bildet die permanent betrunkene, jämmerliche Sue Ellen. Unvergessen ist auch Bobby Ewing, der auch später nicht eine einzige Charakterrolle abbekommen hat. Der strahlende Held und angebliche Bösewicht ist aber J.R. Ewing, der einzige richtige Star der Serie. Keine Schimpfworte, keine Perversionen, kein Multikulti: Dallas repräsentiert bessere Zeiten. Das war damals – in den Achtzigern. In der Dekade, von der der FAZ-Autor Florian Illies (Generation Golf) zu Unrecht behauptet, sie sei das langweiligste Jahrzehnt des Jahrhunderts gewesen. Jetzt läuft Dallas wieder jeden Montag abend auf Kabel1. Unser zeitliches Koordinatensystem hat nach zwanzig Jahren endlich wieder eine Konstante.

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