Von Naivität geschlagen

Alle Jahre wieder ist Karneval, zumindest im Rheinland. Da dürfen die Vorzeigefiguren Prinz und Venetia bei offiziellen Anlässen nicht fehlen. Weil das Wetter zur Karnevalszeit aber meist ziemlich kalt ist, bekommt letztere für ihren Einsatz einen Pelzmantel von einem Kürschner zur Verfügung gestellt, der gut und gerne 7.000 Euro kosten darf, sich aber nach dem Spektakel um so besser verkauft. Tierschützer unterdessen sind gar nicht davon begeistert, daß eine so wichtige Repräsentantin wie beispielsweise Düsseldorfs Oberbürgermeister-Tochter Angela Erwin sich vor den Karren der Pelzhändler spannen läßt. Das Comitee Düsseldorfer Carneval (CC) will die ganze Aufregung nicht verstehen. Pelzmäntel seien doch der natürlichste Schutz gegen kaltes Wetter, erklärt Kürschnermeister Klaus-Peter Kuhn. Der Präsident des CC, Axel Ahlbrecht, weiß einträchtig beizupflichten, die umstrittenen Kleidungsstücke „… wärmen und sind angenehm zu tragen, und die Abendgarderobe bleibt faltenfrei.“ Das sind vielleicht Luxusprobleme, sagt aber nichts gegen die Kritik von Tierschützern aus, der florierende Pelzhandel führe zur Käfighaltung von Wildtieren. Die Rheinische Post nimmt sich des Pelzstreits sogar in ihrer Ausgabe vom 5. Februar an, ringt sich mit den Worten des Ex-Prinzen Peter König aber nur zu der Aussage durch, daß Pelze aus Tieren hergestellt werden und das immer problematisch sei. Bei so viel Ignoranz dürfen Tierschützer zornig werden. Fehlt daher für einen echten Karnevalsumzug ein Umzugswagen von Pelzgegnern, der einmal die Schattenseiten des Nerzmantelfetischismus aufzeigt, dem auch die Venetia folgt. Das wäre ein schönes Politikum. Doch so aufregend wird der Karneval dieses Jahr sicher nicht werden.

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