Böse Buben

1984 veröffentlichte ein ehemaliger Versicherungsmakler namens Tom Clancy den Roman „Jagd auf Roter Oktober“. Das Buch eroberte die Bestsellerlisten und wurde sogar mit Sean Connery verfilmt. Auch andere Clancy-Bücher gelangten in die Kinos, zum Beispiel „Das Kartell“ (In clear and present Danger). 1991 erschien „Das Echo aller Furcht“ (The Sum of all Fears). Der Roman handelt von einer palästinensischen Terrorgruppe, die in den Besitz einer alten israelischen Atombombe gelangt. Diese war 1973 in den Golanhöhen abgeworfen worden, hatte sich aber als Blindgänger entpuppt. Mit der Hilfe ehemaliger Stasi-Agenten und westdeutscher RAF-Terroristen gelingt es ihnen, eine neue A-Bombe zu bauen. Die Extremisten bringen die Welt an den Rande eines Atomkriegs, als sie die Bombe in Denver zünden. Damit wollen sie den Nahost-Friedensprozeß torpedieren, weil die USA inzwischen Israel zum Einlenken in der Palästinenser-Frage zwingen. Letztes Jahr wurde der Film mit Morgan Freeman und Ben Affleck unter dem Titel „Der Anschlag“ verfilmt. Der Inhalt wurde politisch korrekt aufgearbeitet: Israelische Gewaltpolitik fand keinen Eingang in das Drehbuch. Statt dessen sind europäische Nationalisten, die sich in Wien treffen, die bösen Buben – eine Art Le-Pen-Haider-Schirinowski-Fini-Achse. Die einzige Gemeinsamkeit mit dem Roman ist, daß am Ende das Gute siegt. Weite Teile Amerikas und seine politische Führung haben nichts aus dem 11. September gelernt. Es ist schade, daß Hollywood die bestehende Verfolgungspsychose der Amerikaner noch untermauert.

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