BERLIN. Das Printgeschäft der Tageszeitungsverlage gerät weiter unter Druck, und das wird die Medienlandschaft kräftig umwälzen. Davon geht eine Mehrheit der Presseunternehmen aus, wie die aktuelle Trendumfrage des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) zeigt. 94 Geschäftsführer beteiligten sich an der Studie.
Nach Einschätzung der Verantwortlichen in den Zeitungshäusern werden gedruckte Zeitungen mittelfristig komplett durch digitale Auftritte abgelöst werden. 60 Prozent der Geschäftsführer gehen davon, daß es innerhalb der nächsten 15 Jahre keine Print-Ausgabe mehr geben wird. Gegen den Trend hat der Verleger der Berliner Zeitung, Holger Friedrich, am Freitag erstmals die Ostdeutsche Allgemeine als gedruckte Ausgabe herausgebracht (die JF berichtete).
Nicht nur neue Lesegewohnheiten auf mobilen Endgeräten, sondern auch der hohe Kostendruck werden zu dem Ende führen, ergibt der Trend, den die Hamburger Unternehmensberatung Highberg im Auftrag des BDZV aus den Ergebnissen der Befragung herausgearbeitet hat. Papier- und Druckkosten steigen. Hinzu kommt die Mindestlohnerhöhung, die die Zustellung verteuert.
Verleger rechnen mit der Übernahme kleiner Zeitungshäuser
Schon jetzt stellen viele Verleger die frühmorgendliche Zustellung in Frage. Einige Verlage wollen demnach die steigenden Kosten auch durch Preiserhöhungen an die Abonnenten weitergeben. An die Qualität der Produkte und eine Reduzierung der Erscheinungstage wollen sie allerdings noch nicht herangehen.
Die höheren Ausgaben und die ins Digitale abwandernden Leser erzeugen auch einen Konsolidierungsdruck in den Verlagen und aus Sicht der Verleger damit auch eine Konzentration auf nur noch wenige große Medienhäuser, die dann die Kontrolle über die Tageszeitungen haben werden. Vor allem kleine und mittlere Verlage werden die Transformation demnach nicht überleben. Positiv hebt die Unternehmensberatung Highberg hervor, daß es noch keine Gebiete in Deutschland gebe, in denen gar keine Tageszeitungen mehr erscheinen.

Dennoch blickt die Mehrheit der Verleger relativ zuversichtlich in die Zukunft. 62 Prozent äußern sich optimistisch. Das liegt vor allem an den steigenden Umsätzen im Digitalgeschäft. Die meisten gehen von zweistelligen Zuwächsen sowohl im Vertrieb als auch in der Vermarktung aus. 68 Prozent rechnen damit, die laufenden Kosten durch die digitalen Erlöse innerhalb der kommenden fünf Jahre decken zu können. (fh)



