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Termin in der Gerichtsmedizin: Ein Doppelmord bildet den Auftakt der Serie "Im Sumpf" Foto: YouTube Screenshot / Netflix
Termin in der Gerichtsmedizin: Ein Doppelmord bildet den Auftakt der Serie „Im Sumpf“ Foto: YouTube Screenshot / Netflix

Polnische Netflix-Serie
 

Der Sumpf birgt düstere Geheimnisse

Morgens um halb zehn im kommunistischen Polen des Jahres 1983: Am Rand der Kleinstadt Gronty findet ein Mädchen bei einem Spaziergang die Leichen eines älteren Mannes und einer jungen Frau, die neben einem Auto liegen. Beiden wurden die Kehlen aufgeschlitzt. Bei den Ermordeten handelt es sich um einen lokalen Parteifunktionär, der die Dienste der jungen Prostituierten in Anspruch nehmen wollte. Schnell findet die Polizei einen geständigen Täter samt Motiv. Der Freund der Prostituierten hat aus Eifersucht Rache an den beiden genommen.

Die polnische Serie „Im Sumpf“, die im Original „Rojst“ (Feuchtgebiete) heißt,fängt die Endzeitstimmung des Kommunismus samt der Atmosphäre von Bedrohung, Überwachung und grauer sozialistischer Tristesse gut ein. Neben den deprimierenden Plattenbauten gibt es aber die Natur mit ihren Wäldern und den von feuchtem Laub bedeckten Böden.

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Nach dem Geständnis des Mörders könnten der Fall und die Serie abgeschlossen sein, wenn nicht kurz zuvor Piotr (Dawid Ogrodnik), ein junger und noch voller Idealismus steckender Journalist samt seiner hochschwangeren Frau in die Stadt gezogen wäre. Sein Vater ist ein hoher Parteibonze in Krakau. Um aus dessen Schatten zu treten, hat Piotr sich freiwillig nach Gronty zum Abendkurier versetzen lassen. Bei seinen Recherchen zu den Ermordeten stößt er schnell auf Ungereimtheiten und stellt trotz Aufforderung seines Vorgesetzten, den Fall ad acta zu legen, private Nachforschungen an, mit denen er sich nicht nur Freunde macht.

Rückblenden verweben die Handlungsstränge

Hilfe bekommt er von seinem älteren Kollegen Witold (Andrzej Seweryn), der zwar ein journalistischer Veteran, doch auch vollkommen desillusioniert ist. Dieser steckt bereits mitten in den Vorbereitungen für seine Flucht nach Westberlin. Dort hofft er, eine deutsche Malerin zu finden, die mit ihrer Familie nach 1945 aus Polen fliehen mußte. Doch der Mord im Wald ist nicht die einzige Tragödie, deren Hintergründe es aufzuklären gilt.

Ein junges Paar hat Selbstmord begangen, indem es von einem Hochhaus gesprungen ist. Doch war es Selbstmord?

Die Handlung verwebt gekonnt Rückblenden der letzten Tage des Paares mit der gegenwärtigen Handlung. Es scheint, daß die beiden Fälle doch mehr verbindet, als auf den ersten Blick sichtbar ist. Das Geschehen kehrt immer wieder in die Waldlandschaft zurück, die ein dunkles Geheimnis in sich zu tragen scheint. Dieses Geheimnis spielt eine wichtige Rolle in Witolds Leben und wird in der ersten Staffel nur angedeutet.

Die Flut spült zwei Leichen ans Tageslicht

Konkretisiert wird es erst in der zweiten Staffel. Die spielt 13 Jahre später. Der Eiserne Vorhang ist gefallen und Polen versucht, den Sozialismus hinter sich zu lassen. Auch in der Personenkonstellation hat sich einiges getan. Witold ist in Rente gegangen und nicht nach Westberlin geflohen. Piotr ist Familienvater und kehrt in die Stadt zurück, um den Posten des Chefredakteurs zu übernehmen. Die neue Hauptrolle spielt die aus Warschau nicht ganz freiwillig versetzte Polizistin Anna Jass (Magdalena Różczka).

Die Handlung setzt mit einer Jahrhundertflut ein, die Gronty heimsucht. Sie fördert zwei Leichen zutage. Bei der ersten handelt es sich um einen kürzlich verschwundenen Schüler, und die Polizei vermutet, daß er der Flut zum Opfer fiel. Bei der zweiten sieht es schon komplizierter aus, da man nur menschliche Überreste findet.

Netflix gewährt künstlerische Freiheiten

Die Serie zeigt die Verstrickungen von Politik und Wirtschaft und das fast nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Der Produzent und Drehbuchautor der Serie, Jan Holoubek, hat bewiesen, daß Polen sich nicht hinter nordischen Thriller-Serien wie „The Break“, „Bordertown“ oder „Marcella“ verstecken braucht.

Im Gespräch mit der JUNGEN FREIHEIT offenbart Holoubek, daß die Figuren von Witold und Piotr schon seit Jahren durch seinen Kopf schwirrten. Die Welt von „Im Sumpf“ sei ein Resultat seiner Kindheitserinnerungen an das kommunistischen Polen der 80er Jahre, das sehr trostlos und düster gewesen sei. Zu zeigen, was manchmal mit den Deutschen im Polen nach 1945 passierte, bereitete keine großen Probleme und wurde vom polnischen Publikum gut aufgenommen. Netflix gewähre ihm volle künstlerische Freiheit und konzentriere sich bei polnischen Produktionen auf Drehbücher, die lokale Geschichten erzählen und die polnischen Besonderheiten einfangen.

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„Im Sumpf″ ist in zwei Staffeln mit je fünf Folgen bei Netflix zu sehen. 

Termin in der Gerichtsmedizin: Ein Doppelmord bildet den Auftakt der Serie „Im Sumpf“ Foto: YouTube Screenshot / Netflix
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