BERLIN. „Tagesthemen“-Moderatorin Caren Miosga hat sich kritisch darüber geäußert, wie deutsche Medien über den US-Wahlkampf berichten. Der Fokus werde zu stark auf die Kritiker des US-Präsidenten Donald Trump gelegt, sagte Miosga der Welt. Befürworter von dessen Politik kämen hingegen zu wenig zu Wort. „Wenn ich mir zum Beispiel die Berichterstattung über den US-Wahlkampf derzeit anschaue, auch bei uns, finde ich schon, daß die Medien insgesamt in Deutschland mehr über die Trump-Befürworter berichten könnten.“
Es sei zwar richtig, daß Korrespondenten auch Trump-Kritikern aufsuchten. Sie warne aber davor, daß mancher sich am 4. November verwundert die Augen reiben und fragen könnte, warum Trump schon wieder gewonnen habe. „Das ist ja gar nicht so unwahrscheinlich. Aber wir beleuchten in den deutschen Medien stark die Trump-Gegner. Wir könnten von den Menschen mehr hören, die ihn wiederwählen werden, welche Argumente sie haben. Und die haben sie ja, denn Trump hat de facto einige seiner Wahlversprechen umgesetzt.“
Gleichgewicht müsse gehalten werden
Insgesamt halte sie die deutschen Medien jedoch für ausgewogen, erläuterte die Moderatorin. „Ich empfinde deutsche Medien insgesamt als differenziert, nur gibt es mal eine stärkere Betonung der einen oder der anderen Seite. Und es gibt natürlich eine Färbung bei jedem Wort, das ich sage, bei jedem Bericht eines Korrespondenten: Nimmt er mehr Pro- oder Gegenargumente in seinem Bericht auf?“ Es gebe zwar mal den Ausschlag in die eine oder die andere Richtung. Wichtig sei dabei aber nur, daß unterm Strich das Gleichgewicht gehalten werde.
Auch dürften Medien, Leser und Zuschauer bei Themen wie den Corona-Maßnahmen nicht zu einer bestimmten Position drängen. „Es ist auf gar keinen Fall Aufgabe von Journalisten, den Menschen eine Haltung vorzugeben. Wir sind ja keine Erziehungsanstalt“, mahnte Miosga.
Einige ihrer Kollegen aus den öffentlich-rechtlichen Medien hatten das in der Vergangenheit anders formuliert. So hatte beispielsweise die „Panorama“-Moderatorin Anja Reschke in einem Interview mit dem Schweizer Fernsehen 2018 explizit betont, es sei der Auftrag der Medien, den „Bürger zu einem mündigen, die Demokratie wählenden Bürger zu erziehen“.
Andere Journalisten für mehr Haltung
Dies bedeute zwar nicht, jemanden in eine Richtung zu erziehen und ihm zu sagen: „Du mußt jetzt denken, Trump ist doof, und du mußt jetzt denken, Flüchtlinge sind alle toll.“ Vielmehr gehe es darum, die Bürger dahingehend aufzuklären und zu erziehen, daß sie sich für die Demokratie auf der Grundlage des Grundgesetzes entschieden.
Der Moderator des Magazins „Monitor“, Georg Restle, wiederum sprach sich ebenfalls 2018 für einen „werteorientierten Journalismus“ anstatt „blinder Neutralität“ aus. Mit einem „Journalismus im Neutralitätswahn“, der nur abbilde, „was ist“, müsse Schluß sein.
Journalismus im Neutralitätswahn – Warum wir endlich damit auhören sollten, nur abbilden zu wollen, "was ist". Mein Plädoyer für einen werteorientierten Journalismus in der aktuellen Ausgabe von "WDR Print".
@WDR_Presse pic.twitter.com/3EHkip2mJn— Georg Restle (@georgrestle) July 3, 2018
Und auch „Tagesschau“-Journalist Patrick Gensing sagte 2015 in einem Interview mit dem Online-Magazin Vocer ganz offen, wie er sich seinen Wunschjournalismus vorstelle: „Ich bin ein großer Freund von Journalismus mit Haltung, weil ich mich daran viel besser abarbeiten kann. Ich glaube, daß man die Leute eher gewinnen kann, wenn im Journalismus eine Haltung vertreten wird, als wenn da irgendwie einfach nur Fakten angehäuft werden. Das ist in meinen Augen auch überhaupt nicht Journalismus. Einfach nur Fakten zu liefern und sagen, wir können das nicht beurteilen und wissen das nicht. Das zu beurteilen, ist doch genau unser Job.“ (krk)