Sandra Maischberger

Mahnung für die Freiheit

Nach einer Mini-Sommerpause meldete sich Sandra Maischberger diese Woche mit ihrem neuen Wochenrückblick zurück. Diese Arbeitsmoral ist lobenswert. In Anbetracht der Sendung vom gestrigen Mittwoch hätten die Moderatorin und ihre Redaktion allerdings auch gut und gerne noch mindestens eine Woche Urlaub machen können.

Eine wirkliche Notwendigkeit, die Talkshow zu schauen, bestand an diesem Abend über weite Teile nicht. Es sei denn, man wollte sicher gehen, daß die eigenen Vorurteile und Klischees noch alle stimmen, denn die Gäste lieferten an diesem Abend wirklich durch die Bank, nahezu auf Punkt und Komma, genau die Inhalte ab, die man von ihnen erwartet hat.

Söder wie gewohnt schwammig

Dies zeigte sich vor allem bei dem Mann, für dessen Aussagen der Begriff „Inhalte“ eigentlich die größte Übertreibung seit Erfindung des Fernsehens ist. Die Antworten des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) waren schwammig und in etwa so überraschend wie der Satz, „O’zapft is!“ bei der alljährlichen Eröffnung des Oktoberfests.

Die an ihn gerichtete K-Frage beantwortete Söder natürlich mit „nein“. Seine Aufgabe liege in Bayern. Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) schätze er sehr, so der fleischgewordene Polit-Sprechautomat, um dann all seine Aussagen der vergangenen Wochen zur Wichtigkeit des Klimaschutzes und der „rechtsextremistischen“ AfD noch einmal selbst zu wiederholen. Spätestens an dieser Stelle dürften geübte Polit-Talkshow-Zuschauer ihr erstes „Bingo!“ gehabt haben.

Auch abgeliefert wie erwartet, aber immerhin im positiven Sinne, hat der Kolumnist Jan Fleischhauer. Gewohnt scharf und spitzzüngig beurteilte der Mann, der lange Jahre das konservative Feigenblatt des Spiegel war, angesichts ihres Umgangs mit Hans-Georg Maaßen die Leistung der von Söder so geschätzten CDU-Vorsitzenden. „AKK“ habe in dieser Woche alle Zweifel beseitigt, daß sie nicht als Kanzlerkandidatin geeignet ist, sagte Fleischhauer und löste damit den erwarteten Protest der ihm als Gegenpart zur Seite gesetzten linksgrünen Haltungsjournalistin Anja Reschke aus.

Klima-Ikone unter Beschuß

Die gab Leuten wie Herrn Fleischhauer eine wesentliche Mitschuld daran, daß Kramp-Karrenbauer nach ihren mehr oder weniger deutlichen Parteiausschluß-Überlegungen gegen Maaßen nun in der Öffentlichkeit so schlecht dasteht. Die öffentlich rechtliche Meinungsmacherin, die selbst so gerne austeilt, ist noch immer schwer empört über den Tweet des ehemaligen Präsidenten des Verfassungsschutzes, in dem er die Neue Zürcher Zeitung als das „neue Westfernsehen“ bezeichnete und damit Reschke und andere deutsche Journalisten in die Nähe der DDR-Propaganda-Medien rückte.

Ihr Kollege Fleischhauer nahm den kleinen Seitenhieb gegen die heimische Presse hingegen mit Humor. Nicht nur beim Thema Maaßen bewies Reschke, daß ihr öffentlich-rechtlicher Journalismus mindestens ebenso meinungslastig ist wie die Kolumnen des ehemaligen Spiegel-Autors, der neuerdings für den Focus schreibt. So outete sich die ARD-Frau als Fan der Klima-Aktivistin Greta Thunberg, gerade so, als wolle sie tatsächlich auch noch dem letzten Zuschauer beweisen, daß seine Zwangsgebühren zur Finanzierung eines linksgrünen Staatsfunks verwendet werden.

Die Kritik einiger ihrer Kollegen an der CO2-Bilanz des New-York-Trips der „Fridays for Future“ -Ikone fand die Panorama-Moderatorin kleinlich. Bei Greta Thunberg ginge es schließlich um „das große Ganze“. Anders Jan Fleischhauer, den nicht nur die Entlarvung der Greta Thunberg sichtlich amüsierte, sondern auch die Empfindlichkeit vieler Medienschaffender, wenn es darum geht, ihre Lieblingsklimaschützerin humoristisch auf die Schippe zu nehmen. Den Zuschauer konnte der konservative Zyniker damit zumindest soweit amüsieren, daß sich die ARD-Redaktion die Einladung an den Kabarettisten Florian Schroeder, der an diesem Abend noch schwächer und angepaßter war als sonst, eigentlich hätte schenken können.

Studiopublikum ganz auf Linie

Auch das Publikum, das im Rahmen des neuen Maischberger-Formats ja zwischendurch immer mal seine Meinung kundtun durfte, agierte exakt so, wie man es von einem ARD-Studiopublikum im Jahr 2019 erwartet. Eine roh-vegane Foodbloggerin sprach darüber, wie verwerflich Fleischessen doch sei und eine „Tierrechtsaktivistin aus Köln“ berichtete davon, wie sie Menschen auf der Straße durch das Vorführen von Bildern aus Mast- und Schlachtbetrieben zum Umdenken bewege. Selbst die Fleischbefürworter betonten allesamt, wie selten sie doch Fleisch essen würden und daß dieses auf jeden Fall teurer werden müsse.

Einen für die Zeit ungewohnt echten und tiefbewegenden Moment gab es an diesem Abend dann aber doch noch. Cornelia Kupsch heute Bezirksbürgermeisterin für die CDU in Hannover-Mitte, schilderte auf mitreißende Weise, wie sie als DDR-Bürgerin vor 30 Jahren während eines Ungarn-Urlaubs die Chance ergriff, gemeinsam mit ihrem Mann und den kleinen Kindern in den freien Westen zu flüchten. „Dann saßen die ungarischen Soldaten mit ihrem Maschinengewehr auf dem Schoß auf einem Jeep und guckten weg. Dann sind wir an denen vorbei und liefen auf den offenen Zaun zu,“ erzählte Kupsch, während nicht nur ihr die Tränen in die Augen stiegen.

Die Geschichte machte deutlich, wie nichtig und seicht all die vorangegangenen Diskussionen des Abends doch waren. Auch waren die Worte der Zeitzeugin eine ergreifende Mahnung, die eigene Freiheit niemals gegen eine auch noch so „moralisch gut“ daherkommende Ideologie einzutauschen.

Sandra Maischberger vor dem Logo ihrer Talkshow im neuen Format Foto: picture alliance/Horst Galuschka/dpa/Horst Galuschka dpa

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