Sybille Mattfeldt-Kloth in der Sendung Hart, aber fair Foto: WDR
Gender-Lobbyistin Sybille Mattfeldt-Kloth in der Sendung Hart, aber fair Foto: WDR

Hart, aber fair
 

Klassenkampf in Pink

Birgit Kelle wendet sich zu Sybille Mattfeldt-Kloth (Batik-Halstuch, Perlenohrring, Designerbrille), einer feministischen Lobbyistin, und sagt: „Frauen wie Sie sind schuld, daß aus der Frauenbewegung nie was wird.“ Applaus und Buhrufe halten sich die Waage. Für einen kurzen Moment kochen die Emotionen im Berliner Studio, in dem die neue Sendung von „Hart, aber fair“ aufgenommen wurde. Doch er ist schnell vorüber.

Ein Remake will an den alten Ruhm anknüpfen, will eine Erfolgsgeschichte neu interpretieren. Sean Connery hat das 1983 als James Bond mit „Sag niemals nie“ gemacht, der seinen eigenen 007-Film „Feuerball“ von 1965 kopierte. Etliche andere Hollywoodstreifen wie „Kingkong“, „Die Rote Flut“ oder „Nightmare on Elm Street“ wurden neu verfilmt, um das Publikum abermals ins Kino zu locken.

Die Entstehungsgeschichte der jüngsten Folge von „Hart, aber fair“ war etwas komplizierter: Der WDR hatte eine Empörungswelle ausgelöst, weil er eine Sendung vom März über das Thema Gender Mainstream auf Druck feministischer Lobbygruppen aus seiner Mediathek entfernt hatte. Eine Entscheidung, die später revidiert wurde. Zwischenzeitlich hatte die Redaktion angekündigt, die Sendung abermals aufzunehmen – mit den gleichen Teilnehmern. Ein im deutschen Fernsehen einmaliger Vorgang.

Beim Film wird oft mit Remakes gearbeitet

Die neue Fassung überzeugte nicht. Die Diskussion kam nicht richtig in Gang. Und das, obwohl sich die Gender-Propagandisten Verstärkung geholt hatten: den WDR-Chef Jörg Schönenborn und jene Frau Mattfeld-Kloth, die stellvertretende Vorsitzende des „Frauenrates Niedersachen“ ist.

Jene Gender-Lobbyistin, die den Begriff „Lobbbyismus“ am liebsten gleich zu Beginn der Sendung zu einem Tabuwort erklärt hätte, konnte die Position der Gender-Befürworter nicht voranbringen. Es bleibt ein Nischenthema, vorzugsweise für ältere Damen mit kurzen grauen Haaren, voller Brieftasche dank eines Jobs im Staatsdienst und einem Minderwertigkeitskomplex, den sie durch Männerverachtung kompensieren. Sie forderte am Ende, die Gesetze des Marktes bei der Entlohnung noch stärker außer Kraft zu setzen, da die Arbeitsleistung von Frauen nicht genügend honoriert würde. Alte Klassenkampfparolen in neuen, pinkfarbenen Weinschläuchen. Auch ihre Mitstreiterin Anne-#Aufschrei-Wizorek trug nichts Neues zur Debatte bei.

„Wenn ich es mache, ist es keine Zensur“

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Interessanter war der Auftritt von Jörg Schönenborn, der nach der Hälfte der Sendung das Studio verließ. Er war nur da, um eingangs zu erörtern, wie es zur Löschung der ersten Sendung gekommen war. „Es kann nicht Zensur sein, wenn ich zusammen mit all den anderen, die für dieses Programm zuständig sind, eine Verantwortung treffe“, sagte er etwa holprig und verwies auf die Rolle des Rundfunkrats, der die Interessen der Zuschauer vertrete. Der stellvertretende FDP-Chef Wolfgang Kubicki konterte das trocken: „Selbstverständlich ist es eine Form von Zensur, wenn eine Sendung aus der Mediathek entfernt wird.“ Birgit Kelle untermauerte dies. Sie sagte, sie fühle sich an George Orwell erinnert.

Schönenborn verwies darauf, daß eine Mediathek kein klassisches Archiv wie bei einer Zeitung sei. Vielmehr müsse die Redaktion stets rückwirkend überprüfen, ob die dort verfügbaren Inhalte noch den Standards der Redaktion entsprächen. Damit bestätigte er ungewollt Kelles Assoziation mit George Orwells Dystopie „1984“. Die Hauptfigur in dem Roman arbeitet im Wahrheitsministerium und ist damit beschäftigt, Zeitungsartikel rückwirkend zu korrigieren, damit sie der aktuellen Parteilinie entsprechen. Wenn der WDR tatsächlich so verfährt, wie von Schönenborn beschrieben, dann wäre dies nicht nur politisch bedenklich, sondern auch ein eklatanter Fall von Gebührenvergeudung. Aber diesen Vorwurf erhob niemand in der Runde.

„Diesen Stöckelschuh ziehe ich mir gerne an“

Dafür drehte sich das Gespräche noch eine Weile um die alte Sendung. Erst in der zweiten Hälfte ging es dann wirklich um Gender Mainstream. Zwischenzeitlich wurde Sophia Thomalla immer wieder hart von Mattfeldt-Kloth und Wizorek angegangen, unter anderem mit dem Hinweis, ihre Anwesenheit solle nur dazu dienen, den Unterhaltungswert zu steigern. Thomalla dazu: „Wenn Frauenverbände mich nicht mögen, diesen Stöckelschuh ziehe ich mir gern an.“ Die Schauspielerin beklagte die hohen Kosten von aufwendigen Gender-Projekten: „Es kostet Geld, das wir alle bezahlen müssen, wenn Unisextoiletten eingerichtet werden.“

Moderator Frank Plasberg sorgte zwar dafür, daß beide Seiten zu Wort kamen, war aber auch bemüht, das vermeintlich Positive an Gender Maintream herauszustellen. Ein Einspieler zeigte weibliche Kniegelenke und Bauhelme für Frauen, was eine Verbesserung von Patientinnen und Frauen auf Baustellen bedeuten würde. Als würde der Markt solche Dinge nicht automatisch produzieren! Oder, wie die Schriftstellerin Kelle es ausdrückte: „Sie können weibliche Kniegelenke bauen ohne einen einzigen Lehrstuhl für Gender Studies.“ Die Fronten bleiben verhärtet.

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