Joachim Kuhs
Focus

Pressefreiheit
 

Prozeß gegen „Focus“ wegen Mittelfinger-Aphrodite

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Aphrodite und Justitia – wer ist stärker? Foto: Focus, Carlo Schrodt/Pixelio; Montage: JF

ATHEN. In Athen beginnt am Dienstag der Prozeß gegen den Focus und mehrere deutsche Journalisten. Der Vorwurf: Das Nachrichtenmagazin habe sich mit seiner Titelgeschichte im Februar 2010 („Betrüger in der Euro-Familie“) der Verleumdung, der üblen Nachrede und der Verunglimpfung des griechischen Staates schuldig gemacht.

Inhaltlich wich der Text kaum von dem ab, was auch in anderen deutschen Zeitungen stand. Auf der Titelseite der besagten Focus-Ausgabe war jedoch eine verfremdete Liebesgöttin Aphrodite zu sehen, die dem Betrachter den Mittelfinger zeigt. Dies wurde in Griechenland als besondere Provokation empfunden. Griechische Medien reagierten mit Hakenkreuz-Fotomontagen und ähnlichen Vergleichen.

Schmerzensgeld für die Kläger

Zweimal – zuletzt im August – ist der anberaumte Verhandlungstermin bereits vertagt worden. Angeklagt sind Focus-Gründer Helmut Markwort (seinerzeit noch Chefredakteur) und zwölf weitere Mitarbeiter. Diese werden sich wohl von griechischen Anwälten vertreten lassen statt persönlich bei der Verhandlung zu erscheinen. Einer der griechischen Kläger hofft laut Südwestpresse auf drei Millionen Euro Schmerzensgeld.

Der Prozeß in der griechischen Hauptstadt ist nicht das erste Mal, das ein ausgestreckter Mittelfinger für einen Journalisten Ärger bedeutet: Die russische Fernsehreporterin Tatjana Limanowa hat am 14. November nach einer Meldung über Barack Obama den Mittelfinger gezeigt und ist deswegen vom Privatsender Ren TV entlassen worden. (rg)

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