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Fernsehtip
 

Blick in die Wirklichkeit

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Peter Jordan (Götz George) als Opfer Foto: WDR/Maria Krummweide

Welchen Stellenwert besitzt Zivilcourage im heutigen Deutschland? Laut Marianne Birthler, die die Behörde für die Unterlagen des DDR-Staatssicherheitsdienstes leitet, ist sie nur selten anzutreffen. Vielmehr sei in unserer Gesellschaft allzu häufig nur eines von beiden auszumachen: eine vermeintliche „Courage“, die jede zivile Form vermissen lasse, und andererseits eine vorgebliche „Zivilität“, die sich letztlich als Feigheit entpuppe. 

Besonders deutlich wurde diese Verlogenheit vergangenes Jahr, als der Münchner Unternehmer Dominik Brunner seinen selbstlosen Einsatz mit dem Leben bezahlte. Höhepunkt der darauf einsetzenden medialen Debatte waren Stimmen, die dem Opfer vorwarfen, sich womöglich „unnötig“ in Gefahr gebracht zu haben. Erklären läßt sich diese zynische Realitätsverweigerung nur mit einer Furcht vor der Erkenntnis, daß wirkliche Zivilcourage jenseits des eigenen Weltbilds beginnt. 

Wie dieses durch jene verändert wird, zeigt in exemplarischer Weise der gleichnamige Fernsehfilm „Zivilcourage“ (27. Januar, 20.15 Uhr, ARD). Es ist eine WDR-Produktion, die das Problem der anwachsenden Parallelgesellschaft und der damit einhergehenden Jugendgewalt thematisiert.

Wem gehört eigentlich ein Stadtviertel?

Daß dies in der Hauptsendezeit geschieht und nicht spätabends wie noch im September 2006, als das TV-Drama „Wut“ – angeblich aus Gründen des Jugendschutzes – kurzfristig ins Spätprogramm verschoben wurde, zeigt an: Die Senderverantwortlichen begreifen allmählich den Ernst der Lage. Oder um es mit Worten von WDR-Programmbereichsleiter Gebhard Henke zu sagen: „Wem ‘gehört’ eigentlich ein Stadtviertel?“ So soll denn der Film nichts weniger als eine Diskussion „über deutsche Wirklichkeit in Gang setzen“. 

Im Falle seines Protagonisten, des von Götz George gespielten Antiquars Peter Jordan, bedeutet der Schritt in die Realität, die linksliberalen Gewißheiten von Heribert Prantls Gnaden gegen eine Pistole einzutauschen.

Der Film des israelischen Regisseurs Dror Zahavi (Drehbuch: Jürgen Werner) zeigt sehr anschaulich den Alt-68er Jordan als einen Hans-guck-in-die-Luft, der jeden Morgen die Augen auf den Leitartikel der Süddeutschen Zeitung richtet, während er auf dem Bürgersteig Richtung Büro strebt – ohne Blick für die wirkliche „Hausmannstraße“, die inzwischen von der Kultur der Zugewanderten dominiert wird.

Anders als Jordan hat dessen Tochter längst die Flucht aus Kreuzberg ergriffen und ist mit Mann und Kind an den Stadtrand gezogen. Desillusioniert bescheinigt sie ihrem Vater: „Du kannst die Hausmannstraße nicht mehr retten!“ Der nämlich beginnt zu kämpfen – sowohl um die Analphabetin Jessica (Carolyn Genzkow), die in seinem Antiquariat ein Schülerpraktikum absolvieren will, wie um der Gerechtigkeit willen. >>

Er wird nämlich Zeuge, wie Jessicas Freund Afrim (Arnel Taci) einen alten Säufer fast totschlägt, weil dieser ihn beleidigt habe („Mein Hund hat mehr Recht hier zu leben und zu scheißen als du Kanake“).  

Nachdem Jordan dem Alten das Leben gerettet hat, geht er zur Polizei, um Afrim anzuzeigen. Daraufhin sieht dessen älterer Bruder Dalmat (Marko Mancic) sein Sorgerecht gefährdet und fühlt sich in seiner Ehre verletzt. Der aus Kroatien stammende ehemalige Söldner terrorisiert Jordan, dessen Tochter und Jordans Freunde, ein Ehepaar von Alt-68ern. Schließlich steht Jordan alleine da, von allen verlassen. Selbst die Polizei ist nicht in der Lage, ihn zu schützen.

Frontalangriff auf die Welt der Integrationsbeauftragten

Der letzte Ausweg scheint schließlich der Einsatz der Pistole. Daß diese Form der Selbstjustiz dann doch nicht zum Zuge kommt, sondern ein mildes Filmende gewählt wird, darf bedauert werden. Denn erst durch eine Tragödie würde die Möglichkeit einer Katharsis wahrscheinlich. Auch widerspricht es jedem Realitätssinn, wenn Jordan am Ende die Gitter vor seinem Antiquariat abmontiert. 

Dennoch ist dieser Film ein Frontalangriff auf die Welt der Integrationsbeauftragten, die die Gesellschaft für die Probleme des gewalttätigen Migrationsmilieus verantwortlich machen. So sieht es auch Götz George, wenn er sagt: „Es ist eine Ausrede, Gewalt käme nur aus sozial schwachen Strukturen.“ 

Nach der Vorab-Premiere im Kino Babylon in Berlin-Mitte, wo die Produktion in der Reihe „Neuer deutscher Film“ gezeigt wurde, bekannte der Schauspieler denn auch, wie wichtig ihm gerade dieser Film sei. Demutsvoll fügte er an: „Im Laufe meines Lebens kommt viel Schrott zusammen.“   

JF 4/10 

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