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Berlin: Theaterintendant kritisiert geplante Straßen-Umbenennung

Berlin: Theaterintendant kritisiert geplante Straßen-Umbenennung

Berlin: Theaterintendant kritisiert geplante Straßen-Umbenennung

Auch die Martin-Luther-Straße in Berlin-Schöneberg soll umbenannt werden, weil der Reformator sich antisemitisch geäußert hat Foto: picture alliance/dpa | Christoph Soeder
Auch die Martin-Luther-Straße in Berlin-Schöneberg soll umbenannt werden, weil der Reformator sich antisemitisch geäußert hat Foto: picture alliance/dpa | Christoph Soeder
Auch die Martin-Luther-Straße in Berlin-Schöneberg soll umbenannt werden, weil der Reformator sich antisemitisch geäußert hat Foto: picture alliance/dpa | Christoph Soeder
Berlin
 

Theaterintendant kritisiert geplante Straßen-Umbenennung

BERLIN. Der Intendant der Komischen Oper, Barrie Kosky, hat die geplante Umbenennung von Straßen in Berlin kritisiert. „Das ist keine ernsthafte Debatte, it’s marketing. Ich nehme es jedenfalls nicht ernst. Und ich denke, ein Großteil der Bevölkerung rollt ebenfalls mit den Augen“, betonte er am Montag im Gespräch mit der Berliner Zeitung. Seine erste Reaktion auf ein diesbezügliches Dossier sei schallendes Gelächter gewesen. „Ich finde es lächerlich“, unterstrich der Australier.

In dem vom Berliner Antisemitismusbeauftragten im Dezember veröffentlichten Gutachten werden 290 Straßennamen aufgeführt, die angeblich antisemitische Bezüge aufweisen. Gelistet sind unter anderem klassische deutsche Autoren wie Clemens Brentano und Achim von Arnim, der Reformator Martin Luther oder auch Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus wie etwa Martin Niemöller und Ulrich von Hassel.

Kosky: „Diese Liste ist eine dilettantische Povokation“

Kosky unterstrich, er finde es grauenhaft, daß jemand in Deutschland derartige Urteile treffe. „Listen sind gefährlich. Künstlerisch, politisch und gesellschaftlich. Und diese Liste ist nicht wirklich wissenschaftlich, sie ist eine dilettantische Provokation.“ Man habe im 20. Jahrhundert genug von solchen Gutachten gesehen. „Nicht nur in der Nazi-Zeit, sondern auch in der DDR. Im Deutschland des 21. Jahrhunderts sollte es ein Listenverbot geben.“

Kosky kritisierte in diesem Zusammenhang auch die Platzierung von Richard Wagner in dem Dossier. „Richard Wagner ist einer der wichtigsten Künstler aller Zeiten, das ist keine Frage“, stellte er fest. Als antisemitisch aufgezählt wird in der Expertise nicht nur der Komponist selbst, sondern auch die von ihm erfundenen Opernfiguren und die nach seinem Haus benannte „Wahnfriedstraße“.

Barrie Kosky ist seit 2012 Intendant und Chefredakteur der Komischen Oper Berlin. Unter seiner Leitung wurde das Theater unter anderem als „Opernhaus des Jahres“ prämiert. 2014 inszenierte Kosky als erster jüdisch-stämmiger Regisseur eine Wagner-Oper bei den Bayreuther Festspielen.

Der Autor des Dossiers, Felix Sassmannshausen, ist ein Leipziger Politikwissenschaftler, der regelmäßig auch für die linksextreme, antideutsche Wochenzeitung Jungle World schreibt. (fw)

Auch die Martin-Luther-Straße in Berlin-Schöneberg soll umbenannt werden, weil der Reformator sich antisemitisch geäußert hat Foto: picture alliance/dpa | Christoph Soeder
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