Conservare Communication „Grüner Mist“ – nein danke! #GrünerMist 2021
Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick Foto: picture alliance/imageBROKER / JF-Montage
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Geburtstage, Taliban-Lob und Lauterbachs Prioritäten
 

Kaisers royaler Wochenrückblick

In dieser Woche feierten gleich zwei große Autoren Geburtstag, die ich zu meinen persönlichen Vorbildern zähle. Einer von ihnen ist leider bereits verstorben, der andere weilt – Gott sei Dank! – noch quicklebendig unter uns. Charles Bukowski wäre am 16. August 101 Jahre alt geworden und Henryk M. Broder feierte am Freitag seinen 75. Geburtstag.  

Für den unbedarften Leser scheinen die beiden nicht viel gemeinsam zu haben. Wer einen etwas genaueren Blick in das Wirken und die Werke der beiden Enfant terribles wirft, wird aber schnell auf ein paar unübersehbare Parallelen stoßen. Broder und Bukowski stehen beide wie Mahnmale für eine längst vergangene Zeit des freien Geistes, in der die Vertreter der schreibenden Zunft noch als „Denker“ bezeichnet wurden. Und das mit Fug und Recht! Sie haben beim Schreiben tatsächlich noch gedacht, statt immer und immer wieder zu reproduzieren, was bereits gedacht wurde und was man in gewissen Kreisen eben zu denken hat, wenn man weiterhin dazugehören will.  

Zeitgeist war für Bukowski und Broder nie Kriterium 

Dazu zu gehören war für die beiden geborenen Freigeister nie ein Kriterium, das ihren Schreib- und Lebensstil in irgendeiner Weise geprägt hätte. Ihr Selbstbewußtsein – manch einer mag sagen ihre Arroganz – verlieh ihnen stets die nötige Gelassenheit und Gleichgültigkeit, die es braucht, um sich keinem Trend, keinem Zeitgeist unterzuordnen. Doch ihre Provokationen wirkten nie gekünstelt oder krampfhaft. Vielmehr schienen sie ihnen auf eine natürliche Art und Weise im Blut zu liegen. Sie schwammen nicht absichtlich gegen den Strom. Ihnen war die Richtung des Stroms nur herzlich egal. Broder ist es das bis heute.  

Wie Charles Bukowski mit der heutigen Cancel Culture umgegangen wäre, kann man sich nur ausmalen. Allein der Gedanke daran, wie der wütende, betrunkene alte Mann den neuzeitlichen Moralaposteln antworten würde, erfüllt einen mit größtmöglicher Belustigung, ja sogar mit einer tiefen inneren Befriedigung. Jedenfalls ist das bei mir so. Ich möchte an dieser Stelle Danke sagen, für viele fantastische Leseerlebnisse und für den prägenden Einfluß, den diese auf mich hatten. Deshalb von ganzem Herzen: Glückwunsch! 

 Linken-Politiker gratuliert Taliban zur Machtübernahme 

Daß auch das Provozieren gekonnt sein sollte, bewies in dieser Woche der Linken-Politiker Bijan Tavassoli. Das allerdings mit einem Negativ-Beispiel, das selbst für die SED-Nachfolgepartei einen absoluten moralischen Tiefpunkt darstellte. Während nahezu die ganze Welt entsetzt über das grausame Vorgehen der siegreichen Taliban in Afghanistan war, gratulierte der Hamburger diesen nicht nur zur „Befreiung“, sondern auch zu „jedem einzelnen eliminierten Bundeswehrsoldaten“.  

Im Bewußtsein unzähliger Toter und all der Frauen, die in dem Land derzeit von den Islamisten versklavt und unterjocht werden, schrieb Tavassoli in seinem mittlerweile gelöschten Facebook-Beitrag: „Das afghanische Volk hat seine Freiheit und Souveränität zurück und kann sich in stabilen Verhältnissen nun endlich an den Aufbau der Wirtschaft machen.” 

 Eine Empfehlung, wie die Genossen von der Taliban mit den Vertretern der Nato und den USA umgehen sollten, gab er ihnen gleich mit auf den Weg. Der linke Wirrkopf mit der offenkundigen Wahrnehmungsstörung empfahl Großmut. Allerdings nicht aus Menschlichkeit, sondern eher aus Image-Gründen: „Diese Leute öffentlich hinzurichten wäre für die öffentliche Anerkennung der neuen Regierung nur schädlich und könnte Sanktionen zur Folge haben“, so die Analyse des Linken-Politikers aus dem fernen Hamburg. Laut seinen Aussagen ist die Machtübernahme durch die Feinde der Freiheit für ihn ein „Tag der Freude”.  

Lauterbach wird zur Karikatur seiner selbst 

Einen ganz eigenen Blick auf die aktuelle Situation in Afghanistan hat offensichtlich auch SPD-Alles-Experte Karl Lauterbach. Der Corona-Untergangsprophet der Sozialdemokraten glaubt ganz offensichtlich, eine der größten Prioritäten inmitten des Chaos am Hindukusch sei es, auch den Menschen in Afghanistan endlich sein persönliches Allheilmittel zukommen zulassen.  

So pochte er darauf, Impfdosen nach Afghanistan zu schicken, bevor sie in Deutschland verfallen. Ironischerweise forderte der SPD-Politiker damit genau das, was viele schwarzhumorige Spaßvögel ihm zuvor in etlichen Internetposts bereits in den Mund gelegt hatten. Selten zuvor hat sich jemand so schnell und auf so tragische Weise in seine eigene Karikatur verwandelt wie Berufshypochonder Karl Lauterbach.  

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