Claudia Rippe (l.o.), Richy Müller (r.o.), Jan Josef Liefers (l.u.) und Ulrich Tukur
Claudia Rippe (l.o.), Richy Müller (r.o.), Jan Josef Liefers (l.u.) und Ulrich Tukur Fotos: YouTube/allesdichtmachen / JF-Montage

Erste Videos gelöscht
 

#allesdichtmachen: Kritik und Distanzierungen an Kampagne gegen Corona-Politik

BERLIN. Nach heftiger Kritik an einer Kampagne gegen die Corona-Einschränkungen haben sich erste Teilnehmer davon distanziert. Die Schauspielerin Heike Makatsch schrieb Freitag früh auf ihrem Instagram-Account: „Ich distanziere mich klar und eindeutig von rechtem Gedankengut und rechten Ideologien. Schon immer. Ohne Frage.“ Sie erkenne die Gefahr, die von der Corona-Pandemie ausgehen und wolle niemandes Leid schmälern. „Sollte das geschehen sein, so bitte ich um Verzeihung.“

Sie fände es zwar wichtig, „unsere nicht mehr wieder zu erkennende Welt“ zu kommentieren. „Wenn ich damit rechten Demagogen in die Hände gespielt habe, so bereue ich das zutiefst.“ Makatsch ließ ihr Video löschen.

 

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Der Schauspieler Jan Josef Liefers, der die Berichterstattung über die Regierungsmaßnahmen aufs Korn nahm, wies eine „aufkeimende Nähe zu Querdenken und ähnlichen“ zurück. „Es gibt im aktuellen Spektrum des Bundestages auch keine Partei, der ich ferner stehe, als der AfD. Weil wir gerade dabei sind, das gilt auch für Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker, Corona-Ignoranten und Aluhüte. Punkt.“

Aktion sorgt unmittelbar für heftige Kritik

Am Donnerstag abend waren unter dem Motto #allesdichtmachen satirische und ironische Videos von Schauspielern veröffentlicht worden, in denen die Corona-Politik der Regierung kritisiert wurde. Hinter der Kampagne steckt laut dem Spiegel die Münchner Produktionsfirma „Wunder am Werk“. Zunächst waren Medienberichten zufolge 53 Clips veröffentlicht worden. Am Freitag morgen waren noch 51 online.

Die Aktion hatte sofort für scharfe Kritik gesorgt. Der Pianist Igor Levit schrieb am Donnerstag abend auf Twitter: „Die stumpfeste Waffe gegen die Pandemie, gegen eine noch immer viel zu hohe Anzahl von Menschen, die sterben, gegen schlechte Politik, ausbleibende Hilfen etc.: Schlechter, bornierter Schrumpfsarkasmus, der letztenendlich bloß fader Zynismus ist, der niemandem hilft. Nur spaltet.“

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Der Schauspieler Marcus Mittermeier kommentierte: „Niemand hat mich gefragt, ob ich bei #allesdichtmachen mitmachen will. Gott sei Dank!“ Moderator Tobias Schlegl twitterte: „Die Schauspieler von #allesdichtmachen können sich ihre Ironie gerne mal tief ins Beatmungsgerät schieben.“ Der Medienjournalist Stefan Niggemeier schrieb von „ekliger Ironie“, einem „Dammbruch“ und bezeichnete die Aktion als „größten Erfolg der Querdenkerszene bisher“.

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Rundfunkrat fordert Entlassung der Schauspieler

Der SPD-Politiker und WDR-Rundfunkrat Garest Duin hatte zunächst auf Twitter gefordert, die Öffentlich-Rechtlichen müßten die Zusammenarbeit mit einigen der Schauspielern beenden:

„Jan Josef Liefers und Tukur verdienen sehr viel Geld bei der ARD, sind deren Aushängeschilder. Auch in der Pandemie durften sie ihrer Arbeit z.B. für den Tatort unter bestem Schutz nachgehen. Durch ihre undifferenzierte Kritik an ‘den Medien’ und demokratisch legitimierten Entscheidungen von Parlament und Regierung, leisten sie denen Vorschub, die gerade auch den öffentlich-rechtlichen Sendern gerne den Garaus machen wollen. Sie haben sich daher als deren Repräsentanten unmöglich gemacht. Die zuständigen Gremien müssen die Zusammenarbeit – auch aus Solidarität mit denen, die wirklich unter Corona und den Folgen leiden – schnellstens beenden. Viele Grüße, ein Rundfunkrat.“

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Nach Kritik an seinen Äußerungen löschte er seine Tweets wieder und schrieb stattdessen: „Ok Leute, eine Stunde shitstorm ist mir persönlich genug. Geh dann mal in mich. Ich lösche die letzten Tweets, bin aber sicher, dass es möglich sein wird, eine gute und nachdenkliche Debatte über #allesdichtmachen zu führen; auch ohne Nazi-Vergleiche.“

Virologe, CDU- und AfD-Politiker loben Videos

Lob für die Videos kam dagegen unter anderem vom CDU-Politiker und ehemaligen Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen. „Großartig. Künstler gegen die Coronapolitik“, schrieb er auf Twitter. „Wie die Reaktionen von Medien, Politikern und sonstigen ‘wichtigen’ Leuten die Inhalte der Videos einfach zu 100 Prozent bestätigen und es nicht mal merken“, kommentierte die AfD-Digitalexpertin Joana Cotar. Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit sprach von einem „Meisterwerk“, das „uns sehr nachdenklich machen“ sollte.

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An der Aktion teilgenommen hatten auch die Schauspieler Ulrike Folkerts, Ulrich Tukur, Meret Becker und Richy Müller. Müller spießte die von Politikern oft thematisierte Gefahr auf, die von ausgeatmeten Aerosolen ausgehen soll, und warb für ein „Zwei-Tüten-System“. In seinem Clip sagte er: „Wenn jeder die Zwei-Tüten-Atmung benutzen würde, hätten wir schon längst keinen Lockdown mehr. Also bleiben Sie gesund und unterstützen Sie die Corona-Maßnahmen. Ich geh jetzt mal Luft holen.“

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Ebenso kritisierten die Schauspieler in ihren Beiträgen die Einschränkung der Grundrechte, die durch Regierung und Medien massiv geschürte Angst vor einer Erkrankung mit dem Virus sowie die beschädigte Diskussionskultur innerhalb des Landes. Jan Josef Liefers bedankte sich mit zynischem Unterton bei den Medien, die „dafür sorgen, daß kein unnötiger kritischer Disput uns ablenken kann, von der Zustimmung zu den sinnvollen und immer angemessenen Maßnahmen unserer Regierung“.

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Ulrich Tukur forderte: „Schließen Sie ausnahmslos jede menschliche Wirkungsstätte und jeden Handelsplatz, auch alle Lebensmittelläden, Wochenmärkte und vor allem Aldi-Supermärkte. Sind wir erst am Leibe und nicht nur an der Seele verhungert und allesamt mausetot, entziehen wir auch dem Virus samt seiner hinterhältigen Mutantenbagage die Lebensgrundlage.“

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(ls/hl)

Claudia Rippe (l.o.), Richy Müller (r.o.), Jan Josef Liefers (l.u.) und Ulrich Tukur Fotos: YouTube/allesdichtmachen / JF-Montage
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