Der Erlebnistierpark in Memleben sieht sich mit Rassismusvorwürfen konfrontiert (Symbolbild) Foto: picture alliance / ZB | Peter Endig
Der Erlebnistierpark in Memleben sieht sich mit Rassismusvorwürfen konfrontiert (Symbolbild) Foto: picture alliance / ZB | Peter Endig

„Kongo-Bongo-Bahn“
 

Erlebnistierpark Memleben wehrt sich gegen Rassismusvorwürfe

MEMLEBEN. Der Erlebnistierpark Memleben in Sachsen-Anhalt hat Rassismusvorwürfe zurückgewiesen und seine Unterstützer zur Solidarität aufgerufen. „Durch einen Bericht im MDR über unsere ‘Kongo-Bongo-Bahn’ ereilt uns ein enormer Shitstorm. Menschen die nie unseren Park erlebt haben, urteilen sehr schlecht über uns, weil Figuren in unserer beliebten Kindereisenbahn Rassismus zeigen würden“, schrieb der Geschäftsführer des Betriebs, Uwe Gehrmann, am Sonntag auf Facebook.

Zuvor hatte der MDR in einem Filmbeitrag und auf seiner Homepage über die Darstellung von Afrikanern auf der Bahnanlage berichtet. Demnach werden diese als Wilde und Kannibalen dargestellt. In einem Beitrag über den Park verwendet der Sender Aufnahmen von Figuren, die zeigen, wie ein Weißer in einem Kochtopf steckt, umgeben von schwarzen Kannibalen.

Laut MDR hatte es bereits im vergangenen Jahr erste Beschwerden über diese Darstellungen im Park gegeben. Ein Besucher äußerte gegenüber dem Sender: „Das ist zutiefst beleidigend und abwertend, weil hier Menschen nicht als Menschen wahrgenommen werden.“

Erlebnistierpark erhält Zuspruch in sozialen Medien

Die Soziologin Katharina Warda beklagte, das sei ein Fall von „Alltagsrassismus“. Sie sehe darin eine Darstellung von rassistischen Vorstellungen aus der Kolonialzeit. „Rassismus – ursprünglich im Kolonialismus – funktioniert auf die Weise, daß wir uns als weiße, überlegene, zivilisierte Kultur darstellen.“ Hingegen werde der schwarze Mann als unzivilisiert, tierhaft, unmenschlich gezeigt.

In den sozialen Medien erhielt der Erlebnistierpark in Sachsen-Anhalt zustimmende Rückmeldungen. Die Diskussion über die Figuren sei übertrieben und aufgebauscht, äußerten die Nutzer. Jedoch gab es auch Widerspruch und scharfe Kritik am Park.

Einen ähnlichen Fall hatte es vergangenen Monat in Leipzig gegeben. Dort hatte der Migrantenbeirat seine Vorwürfe gegenüber dem örtlichen Zoo bekräftigt, dieser verbreite rassistische Stereotype. Als Beispiel nannte die Organisation in der Vergangenheit „Afrika-Abende“ oder den „Hakuna-Matata-Abend“ mit Feuershow zu Trommelklängen. Das Gremium hatte gefordert, daß der Zoo „die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit beginnen und dies auch auf dem Areal und in Publikationen sichtbar machen“ müsse. (ag)

Der Erlebnistierpark in Memleben sieht sich mit Rassismusvorwürfen konfrontiert (Symbolbild) Foto: picture alliance / ZB | Peter Endig
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