Dierssen
Kinder mit Maske im Unterricht / Ausschnitt aus „Zeit-Leo“ Fotos: picture alliance/dpa | Gregor Fischer / Zeit-Leo / JF-Montage

Schüler und Corona
 

Dr. Dierssen läßt die Maske fallen

Der Kinderpsychiater Oliver Dierssen ist ein verständnisvoller Mensch. Strafen und Bestrafungen steht er kritisch gegenüber und lehnt sie ab. Denn wer strafe, übe Macht aus. Eltern rät er, auf Verfehlungen ihrer Kinder mit Nachsicht zu reagieren.

Jedes „Störverhalten“ ende einmal, diesen Moment sollten Eltern dann loben. „Kind trommelt wild auf Töpfen? Geben Sie dem Kind Bescheid, daß es zu laut ist. Wenn es aufhört: Loben Sie seine Rücksicht. Das Kind lernt: Rücksicht nehmen ist toll! Fragen Sie Ihr Kind: Lobe ich deine Bemühungen ausreichend oft? Oder übersehe ich, was du alles Gutes machst?“, schrieb Dierssen im Mai 2020 auf Twitter.

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Auf dem Kurznachrichtendienst gibt der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie regelmäßig Erziehungstipps und sagt, was er für richtig hält – und was für falsch.

„Maßregeln“ zum Beispiel sei ein Wort, das im Umgang mit Kindern nichts zu suchen habe, ließ er 2019 die Twitter-Gemeinde wissen. „Es ist ein altes Wort, das Autorität verkörpert und nicht Gleichwürdigkeit.“

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Es gebe „Menschen, Staaten, Gesellschaften, für die sind Werte wie Autorität, Gehorsam, Anpassung sehr wichtig“. Und dann gebe es anderen Menschen, denen sei „kritisches Denken, Individualität, Hinterfragen von Autoritäten wichtiger“. Muß eben jeder selbst wissen, zu welcher Gruppe er gehören möchte.

Es gibt allerdings auch Regeln, auf deren Einhaltung Dierssen pocht. Da gibt es keine Ausnahme und keine Nachsicht. Dazu gehört in der Corona-Krise auch das Tragen von Masken für Schüler im Unterricht – und zwar korrekt und vorschriftmäßig. Gemäß der Devise, Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, hat der Arzt in der aktuellen Ausgabe von Zeit-Leo, einem Magazin für Kinder zwischen sieben und 13 Jahren, einen kleinen Ratgeber verfaßt, damit jeder weiß, was zu tun ist, wenn ein Mitschüler seine Maske nicht korrekt trägt.

Nun könnte man meinen, ein Experte für Kindererziehung greift zum naheliegenden Lösungsvorschlag. Zum Beispiel: „Bitte deine Mitschülerin freundlich, ihre Maske richtig zu tragen.“ Doch weit gefehlt. Denn der nachsichtige Dr. Dierssen hat einen anderen Rat und der lautet: melden, petzen, anschwärzen.

Erzähle es der Lehrerin, wenn keiner zuhört

„Wenn deine Mitschülerin die Maske falsch aufsetzt, gefährdet sie die Gesundheit von dir und anderen. Das ist schlimm!“, schreibt Dierssen. Es sei verständlich, wenn man nun nicht wisse, was zu tun sei. „Denn für dieses Problem bist du nicht zuständig.“ In der Klasse müsse jemand anders aufpassen, daß wirklich alle ihre Maske tragen, und das sei die Lehrerin.

„Anders als du oder die anderen Kinder kann sie die wichtige Regel durchsetzen. Hilf ihr dabei, indem du ihr von der Banknachbarin erzählst – und zwar wenn keiner zuhört. Wenn du dich nicht traust, bitte deine Eltern, das zu übernehmen.“

Nur die Eltern? Warum nicht gleich die Maskenpolizei? Einfach eine anonyme Nachricht ans Meldeportal für Maskentrageverstöße beim zuständigen Landeskriminalamt und das Masken-SEK ist auf dem Weg.

So weit will Dr. Dierssen dann doch nicht gehen. Er habe den Kindern lediglich empfohlen, sich mit ihren Ängsten einer erwachsenen Person anzuvertrauen, rechtfertigt er sich nun auf Twitter. Daß deshalb der Vorwurf an ihn herangetragen werde, er habe zur Denunziation aufgerufen, sei falsch. „Kinder zu ‘Maskenspitzeln’ zu machen wäre furchtbar, das würde ich niemals empfehlen“, versichert er. Na, dann ist ja gut.

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